GASGAS 2021 Media Launch in Österreich - GET ON THE GAS! Vor ziemlich genau einem Jahr wurde auf der EICMA 2019 bekannt gegeben, dass die Pierer Mobility Group die spanische Traditionsmarke GASGAS übernehmen sollte. Nach und nach sickerten erste Informationen durch, ein eigenes MXGP-Team mit Fahrern wie Glenn Coldenhoff wurde gegründet und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten…

 

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Als weitere Aushängeschilder wurden Taddy Blazusiak und Laia Sanz für die Segmente Extremenduro und Rallyeraid präsentiert und zu guter Letzt wurde in Amerika kurzerhand das berühmte TroyLeeDesigns-Team mit Superstar Justin „BAMBAM“ Barcia zum Supercross Werksteam gemacht. Alle Zeichen stehen also auf volle Attacke…

Durch die Neuübernahme gab es natürlich jede Menge Diskussionsstoff, am Wirtshaustisch gingen die Meinungen auseinander, eine „rote KTM“ mit unbekannten Bremsen und ähnliche Aussagen wurden getätigt, der Praxistest wird zeigen, wie sich die neuen Modelle gegen die Platzhirsche aus eigenem Hause schlagen werden! Ende Oktober war es endlich soweit und das komplette 2021er Lineup wurde feierlich der Medienwelt präsentiert, der Augenmerk wurde auf die jeweiligen wichtigsten Modelle gelegt, somit werden folgende Modelle 2021 angeboten:

• Trial: 125, 250, 280, 300 (Standard und GP-Ausführung)
• MX: E-Mini, 50, 65, 85, 125, 250F, 450F
• Enduro: 250 2T, 300 2T, 250F, 350F
• E-Mobility: eine komplettes Lineup von E-Bikes ist in Planung (R Raymon Baugruppe)

Die komplette Trialsparte wird wie bisher in Spanien vom Band laufen, für das Baujahr 2021 war die Zeit zu kurz um etwaige Innovationen einfließen zu lassen, zumal GASGAS schon immer eine der führenden Marken im Trialsport gewesen ist und dies nicht als negativ zu bewerten ist. Was aber auf jeden Fall bemerkbar sein wird ist, dass österreichisches Qualitätsmanagement in Spanien Einzug halten wird.

 

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Da unsere Kernkompetenz bei Enduro-Austria eindeutig im Endurosegment liegt, wird der Augenmerk in diesem Bericht auch auf diesen Bereich gelegt. Die Enduros überzeugen mit modernem und schlankem Bodywork, die Form der Plastikteile ist völlig neu, wirken sehr schlank und aus einem Guss.

Ein wichtiger Punkt ist natürlich die Sitzposition, welche wie ich meine, der optimale Mittelweg zwischen einer KTM und einer Husqvarna ist. Man sitzt fühlbar mehr „auf“ dem Motorrad, ähnlich wie bei der orangen Schwester, in Verbindung mit der Umlenkung und einem Aluheckrahmen der gute Mittelweg. Der Hauptrahmen, die Motoren und das Fahrwerk sind identisch mit ihren Schwestern, die Bremsen und Kupplung sind von Braktec, einer großen und sehr erfahrenen Firma, welche seit Jahrzehnten Erfahrungen im Straßen- und Trialsport haben. Alle Modelle besitzen eine elektronische Einspritzung.

 

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Wir hatten einen ganzen Tag, um die gesamte Modellpalette zu testen, ich bin unzählige Runden gefahren, um möglichst objektiv alle Modelle vergleichen zu können. Gefahren wurde in der Nähe des KTM Werks auf der Strecke des MSC Mattighofens, ein kleiner Teil der MX-Strecke und eine großzügige und flotte Endurorunde mit allem Drum und Dran standen als Testareal zur Verfügung:

GASGAS EC250F:

Mit der kleinen quirligen Viertakt 250er habe ich begonnen, schon beim Aufsteigen fühlt man sich wohl, auch für mich mit 185cm Körpergröße hat man Platz und kann sofort attackieren. Das Fahrwerk ist eher weich abgestimmt, fühlt sich aber gut an, auf dem wurzeligen und anfangs noch schlammigen Kurs konnten auch bei schnellerer Gangart keine Unsicherheiten ausgemacht werden. Der Motor könnte stärker sein, wobei da eine Auspuffanlage sicherlich Abhilfe schaffen könnte, um ein paar PS zusätzlich einzuhauchen. Für Hobbyfahrer ist die 250F sicherlich eine super Alternative, wobei Benni Schöpf in der Enduro-Meisterschaft heuer mehrmals gezeigt hat, dass mit der kleinen Viertakt Bestzeiten kein Problem sind, wie immer liegt’s an uns Fahrern wie sehr man den Gashahn spannt!

 

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GASGAS EC350F:

Als nächstes habe ich mir die allseits beliebte 350er geschnappt und kann vorweg gleich sagen, das war mein Lieblingsmodell an diesem Tag, mehr Runden bin ich mit keiner anderen gefahren! Der Motor ist top, überfordert nie und liefert bei hohen Drehzahlen super Spitzenleistung, bei gleichzeitig herrlicher Beherrschbarkeit.

Egal ob tiefer Waldboden oder Wurzeln, die angepeilte Spur kann meistens gehalten werden. Und sollte es etwas langsamer werden, kann man das Motorrad spielerisch über die Kupplung umsetzen oder über Hindernisse dirigieren. Nicht umsonst ist im KTM Konzern die 350er das beliebteste Modell. Generell muss ich sagen, dass die leichtgängige Kupplung perfekt funktioniert und sich keinesfalls vor den Mitstreitern verstecken muss und keine Schwächen gezeigt hat.

 

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GASGAS EC300:

Schon seit Jahren sind auch die großen 300er Zweitakter ein Verkaufsschlager, somit war ich auch da gespannt, wie die neue Rote funktioniert. Schon beim ersten Aufsitzen merkt man, dass das Fahrwerk bei den Zweitaktern ein wenig weicher abgestimmt ist. Nach einigen Minuten Fahrzeit zeigt sich aber, dass dies nicht gleichzeitig bedeutet, dass das Fahrwerk bei flotterer Fahrweise überfordert ist.

 

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Auch da glaube ich, dass die Abstimmung für einen großen Teil der Käuferschaft super funktionieren wird, die schnelleren Piloten lassen sich ihr Fahrwerk sowieso individuell abstimmen. Der Motorlauf der neuen 300i kann getrost als perfekt bezeichnet werden, die Leistung setzt unglaublich sanft ein und zieht einem auch ohne Kupplungsreiberl superelastisch aus den Kurven heraus. Im oberen Drehzahlbereich fällt die Leistung dann ein bisschen ein, die von früher gekannten Zweitakt-Angstmomente bleiben somit komplett aus!

 

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Ein besonderes Augenmerk habe ich auch auf die „neuen“ Braktec-Bremsen gelegt, die Hinterbremse beißt giftig zu und auch mit der vorderen Bremse habe ich den ganzen Tag kein Problem gehabt oder mir mehr Bremskraft herbeigewünscht. Im direkten Vergleich mit einer Bremse von Brembo müsste wahrscheinlich gesagt werden, dass auf den neuen roten Rennern aus Mattighofen etwas mehr Handkraft von Nöten ist, um dieselben Bremsleistungen zu erzielen.

Eigentlich kaum der Rede wert, wenn man sich einmal auf ein Motorrad eingestellt hat. Bei den heurigen Romaniacs konnte Werksfahrer Taddy Blazusiak durch eine Verletzung leider nicht das volle Potenzial des neuen EC300 zeigen, ihre Käufer wird dieses Motorrad auf jeden Fall finden und war nach der 350er mein zweiter Favorit.

 

GASGAS EC250:

Dadurch, dass die 300er Zweitakt schon so super fahrbar erscheint, war ich natürlich gespannt, wie ihre kleine Schwester auf dem Waldkurs reagieren wird. Der Unterschied ist eigentlich nicht wirklich groß, im unteren Drehzahlbereich bietet sie weniger Motorkraft um dann etwas schneller in den Begrenzer zu drehen. Auch da zeigt sich, dass im höchsten Drehzahlbereich die Leistung ein wenig herausgenommen wurde um optimale Fahrbarkeit zu erzeugen.

Nach kurzer Zeit habe ich mich auch auf dieses Motorrad eingegroovt und richtig Spaß beim Rundendrehen gehabt. Ein kurzer Griff in die Kupplung und schon zoomt dich auch die 250er Zweitakt über den nächsten Streckenabschnitt. Wie immer ist die Wahl des Motorrades eine Geschmacksache über die sich nicht streiten lässt, ich würde in diesem Fall die 300er bevorzugen.

 

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Fazit:

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die neuen GASGAS Modelle großartige Motorräder sind, bei welchen die positiven Eigenschaften ihrer Schwestern vereint wurden und vom Fleck weg gut funktionieren. Aufgrund des eher rutschigen Untergrundes auf der Teststrecke kamen die verbauten Maxxis-Reifen schnell an ihre Traktionsgrenzen, der verbaute Lenker ist auf der schmalen Seite und für meinen Geschmack etwas zu sehr gekröpft. Dies sind aber Punkte, die der versierte Fahrer sowieso immer auf seinen Geschmack hin abändert.

Alle Modelle und Details: https://www.gasgas.com/de-at.html

 

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Text: P.B. EART. Fotos: Romero S., Campelli M., GASGAS


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