Wolfsichtung am Ötscher – Erster Test der Stark VARK: Vor ca. einem Jahr wurde die Stark VARG, schwedisch für „starker Wolf“ der Öffentlichkeit vorgestellt und repräsentierte laut den Daten die erste wirklich ernst zu nehmende Elektro Motocross, welche auch wirklich ein vollwertiges Motorrad darstellt. Mit Sebastien Tortelli und Josh Hill holte man sich auch gleich super erfahrene und berühmte Offroadhelden als Testfahrer und Markenbotschafter...

 

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Stark Future ist ein multinationales Unternehmen, welches 2019 mit schwedischen Wurzeln gegründet wurde, der Firmensitz liegt aber in Spanien in der Nähe von Barcelona. Angekündigt wurden maximaler Fahrspaß bei nahezu geräuschlosen Betrieb.

Der Elektromotor soll ein Drehmoment von 938 Nm liefern und das bei einem Gewicht von 118kg. Das Fahrwerk kommt von KYB, sollte also auch top sein, leitungstechnisch kann man zwischen dem Modell mit 60PS und 80PS wählen, wahlweise mit 18“ oder 19“ Hinterrad, mit und ohne Seitenständer und zu guter Letzt kann man die Hinterradbremse optional auf dem Lenker haben, Farbwahl zwischen Rot, Weiss und Grau.

Soviel zu der Theorie, doch nun zur Praxis!

Die Firma Auner hat drei Modelle der Stark VARG mit auf den Ötscher genommen, wo jedermann im Zuge des aunerÖEC Ötscher Race Testfahrten auf einem Wiesenkurs machen konnte.

Wir von Enduro-Austria nutzen natürlich die Chance und testeten die Neuerscheinung zuerst auf dem Wiesenrundkurs, danach konnten wir uns aber auch auf der großen Endurorunde ausgiebig von den Endurofähigkeiten des Wolfes einen ersten Eindruck machen.

Schon die kurze Einschulung auf das Gerät zeigte, dass die Zukunft begonnen hat. Am Lenker befindet sich ein mitgeliefertes Smartphone als Bedieneinheit, welches unglaubliche Gimmicks bietet. Es gibt über 100 einstellbare Fahrmodi, der Fahrer kann sich die Motorcharakteristik beinahe unbegrenzt anpassen. Das beginnt bei der Motorleistung von 1-80PS, die Art der Entfaltung und die Stärke der Motorbremse. Man hat dann fünf Speicherplätze um die persönlichen Wunscheigenschaften abzuspeichern. Zwischen diesen kann man dann während der Fahrt nach Belieben hin- und herschalten.

Den Wiesenkurs habe ich mit einem der Modelle in Angriff genommen, welche die Hinterradbremse am Lenker montiert hatte. Spätestens nach der dritten Runde hatte ich mich eingegroovt und der Grinser wurde immer breiter. Zuerst bin ich mit 30 PS gefahren, die Konzentration konnte vollkommen auf das perfekte Anbremsen und Durchfahren der Kurven gelegt werden, danach galt es nur noch auf der Sitzbank nach vorne zu rutschen und den Gashahn umzulegen.

Gangloses und stufenloses Beschleunigen war das Resultat, ich bin mir sicher, dass ich mit meinem eigenen Motorrad niemals so schnell gewesen wäre. Danach habe ich auf 50 PS gewechselt, dies war im engen Kurvengeschlängel schon fast Zuviel des Guten, also auf 40PS geschalten und schon war es perfekt.

 

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Am Nachmittag hatte ich dann ein kurzes Gespräch mit AUNER CEO Benjamin Diesel, bevor ich dann die große Endurorunde in Angriff nahm. Diesmal war es ein Modell mit normaler Hinterradbremse also mit dem Fuß zu bedienen. Er war zuvor gerade von der Etappe zurückgekommen, erklärte mir kurz seine gewählten Modi.

Folgender Satz ist mir jedoch im Gedächtnis geblieben: „… vergiss de 80PS, da machst du dir in de Hosn!“. Also gut, nach kurzer Ladepause übernahmen wir also das Testbike mit 63% Akkustand und los ging es. Das Fahrwerk ist natürlich auf Motocross ausgelegt, es wurde also alles auf weich gedreht, sodass die Fahrbarkeit auch im Wald gut sein sollte.

Das erste schwere Element beim Ötscher Race ist die Steinauffahrt, die konnte ich eigentlich gut absolvieren, einzig bei rutschigen Stellen war die Gasdosierung anfangs schwierig, das Hinterrad drehte sofort durch. Da wäre die Hinterradbremse am Lenker auf jeden Fall eine Hilfe gewesen, um das schnelle hochdrehen besser kontrollieren zu können. Bei längerer Nutzung könnte man sich die Charakteristik sicher genauso einstellen, dass es einem perfekt passt.

Der Steilhang zum zweiten schweren Element konnte in einem Zug genommen werden, die beinahe geräuschlose Annäherung überraschte auch den einen oder anderen Kontrahenten. Danach tauschten wir mit dem Teamkameraden die Bikes und wir fuhren die Passage noch einmal. Auch er hatte keine Probleme, die Eingewöhnungsphase ist eigentlich kaum vorhanden. Einzig in Momenten, wenn man im steilen Gelände stehen oder hängen bleibt, rollt das Motorrad sofort nach hinten, d.h. gleich wie bei einer Rekluse-Kupplung hat man keinen eingelegten Gang, welcher vor einem Rückwärtsrollen bewahrt.

Mit diesem Bike macht man teilweise Meter, wo man sich mit dem „normalen“ Motorrad noch über die Schaltvorgänge Gedanken macht. Im anspruchsvollen Endurogelände haben wir 50PS für die perfekte Einstellung empfunden. Natürlich wurden auch die 80PS probiert, doch diese sind eigentlich wirklich sinnbefreit, denn entweder bekommt man diese gewaltige Leistung nicht auf den Boden oder man befindet sich im Bruchteil von einer Sekunde in schwerer Überschlagsgefahr! Ich glaube nicht einmal Ken Roczen ist bei seinem Stark VARG Testride in Barcelona die volle Leistung gefahren.

Wir sind einige Passagen doppelt gefahren, haben uns teilweise im Wald ein wenig gespielt um das Handling besser kennen zu lernen und haben natürlich oft genug das Gas übertrieben motiviert aufgezogen, denn das macht ziemlich schnell süchtig. Zurückgegeben haben wir die VARG nach ca. 1,5 Stunden mit 22% Restakku.

 

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Die Verarbeitungsqualität ist auf jeden Fall hochwertig, es wurden sämtliche Anbauteile hausintern entwickelt, die Optik gefällt uns sehr gut und wirkt aus einem Guss. Ein weiterer großer Vorteil ist natürlich auch die Wartung, denn nach dem Waschen muss nur die Kette geschmiert werden und schon ist das Ganze wieder fahrfertig. Nach dem Fahren kann man sich auf dem Smartphone am Lenker die zurückgelegte Strecke auf Google Maps anschauen, man sieht die Höchstgeschwindigkeit, aber auch die Airtime, also die Strecke die man im „Flug“ zurückgelegt hat. Ist das alles wichtig? Ein klares Nein, aber es macht einfach Spaß und ist anscheinend die Zukunft.

Facts zum Rennbetrieb:

Dieter Rudolf ist die Stark Varg beim Superenduro gefahren und auf Anhieb Dritter geworden. Als Zuschauer hatte ich den Eindruck, dass speziell beim Start die Energie nicht optimal auf den Boden gebracht werden konnte, eine Startautomatik mit abgesenkter Front hätte ihm da sicher in die Karten gespielt. Es muss aber gesagt werden, dass auch Didi das erste Mal an diesem Tag auf dem Bike gesessen ist und somit eine Topleistung abgeliefert hat!

Auner CEO Benjamin Diesel ist die Stark VARG in der ÖM open Klasse im Rennen gefahren, d.h. fünf Sonderprüfungen und vier große Enduroetappen. Besonders spannend war da für alle natürlich die Akkureichweite. Auf Rückfrage zeigte er sich begeistert und zufrieden mit der Perfomance, das Bike wurde während dem Rennen zweimal für ca. 15 Minuten geladen. Das würde darauf schließen, dass man die ÖEC-Klassen mit jeweils einer Runde weniger ohne Ladevorgang hätte durchfahren können!

Ich wurde in der Zwischenzeit schon oft nach meiner Meinung gefragt und da waren sich eigentlich alle Testfahrer einig: Ich behaupte, dass neun von zehn Fahrern nach einer Viertelstunde auf der Stark VARG schneller als mit dem eigenen Bike sind. Und wer mich kennt weiß, dass ich kein Elektrofahrzeug-Fan bin! Und wenn VARG, dann mit beiden Bremsen am Lenker!

Wir hoffen, dass wir Euch einen ersten Eindruck über dieses unglaubliche und neuartige Fahrzeug gegeben haben, Danke an die Firma AUNER für die Möglichkeit des Testens.

Falls jetzt jemand neugierig geworden ist, alle Facts und Details gibt es unter www.auner.at/marke/stark/ und wer Fragen hat oder gleich bestellen will kann dies unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. machen.

 

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Text: P.B. E.A.R.T. Fotos: E.A.R.T.

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