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Journalisten aus der ganzen Welt hatten Anfang Juni die Möglichkeit die neuen Husqvarna Enduros des Modelljahres 2020 in Finnland zu testen. Wir von Enduro-Austria waren dabei und bringen euch einen genaueren Einblick in die neuen Modelle...

Die Husqvarna Enduro Motorräder 2020 wurden nicht neu erfunden aber man hat satte 60% aller Teile neu überarbeitet. Die Überarbeitungen des Modelljahres 2020 sind also durchaus umfangreich. So hat man neben dem neuen Design auch die Rahmentorsion verbessert, nebenbei wurde die Sitzposition um 20mm abgesenkt, einiges an Gewicht eingespart und die Motorleistung in Teilbereichen erhöht. Selbst bei kritischer Betrachtungsweise muss man zugeben, dass die Veränderungen viele Vorteile bringen.

 

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Husqvarna TE300i - Modell 2020

 

Das Chassis: Man sieht den Modellwechsel am ersten Blick bereits am Design. Ziel von Husqvarna war es die Fahrbarkeit und den Komfort zu verbessern. Damit soll man jetzt ermüdungsfreier fahren können. Nebenbei wurde auch Gewicht eingespart. Für ein besseres Fahrverhalten hat man die Rahmensteifigkeit optimiert.

Beim Fahrwerk hat man das Midvalve der Gabel überarbeitet und die Umlenkung des Federbeines verändert. Zusammen mit der niedrigeren Sitzbank hat man so bei allen Modellen die Sitzhöhe um 20mm abgesenkt. Man hat auch an kleinen Details gearbeitet: Jetzt gibt es zum Beispiel auf jeden Gabelholm einen Indikator für die Nutzung des Federweges. Das Teil kann man auch dazu verwenden um die Tauchrohre abzuputzen.

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Wie fahren sich die Enduros Fahrwerksmäßig? Die Spurstabilität ist gut, das Einlenkverhalten ebenfalls, wobei man sagen muss, dass man mit der 450er und 501er langsamer in den Kurven ist. Das Fahrwerk hat ein unglaublich gutes Ansprechverhalten und reagiert sehr fein auf kleine Unebenheiten wie Wurzeln und Steine.

Für Rennfahrer ist das unter anderem auf Durchschlagssicherheit überarbeitete Fahrwerk noch besser geworden. Die Gabeln aller Modelle habe ich während des gesamten Tests nicht zum Durchschlagen gebracht. Das Federbein einmal, allerdings nur bei der 150er. Die Klicks bei der Verstellung der Gabel merkt man jetzt deutlich. Das Fahrwerk hat sich eindeutig verbessert.

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Das neue Rahmenheck besteht jetzt nur mehr aus 2 Teilen und wurde stabiler und leichter gemacht. Dieses Carbonheck geht jetzt fast bis zur Kennzeichenhalterung nach hinten. Mehr Steifigkeit hört sich grundsätzlich gut an. Das alte Heck hat doch sehr stark geflext. Hoffentlich hält es auch Stürze nach hinten aus. Im Test war jedenfalls nichts zu bemängeln. Die Einschnitte am Heck sehen wie Griffe aus, sind aber etwas „unergonomisch“. Trotzdem kann man das Bike dort bedenkenlos anheben.

Motoren: Man hat für 2020 alle Motoren überarbeitet. Jeder Motor hat jetzt einen E-Start, auch die neue TE150i Zweitakt. Alle Motoren außer der TE250i und TE300i wurden hinsichtlich Kompression überarbeitet. Das heißt jetzt nicht, dass alle Motoren mehr Spitzenleistung haben, aber irgendwo im Leistungsband wirkt sich das dennoch aus. So zum Beispiel hat man bei der 150er nur den unteren Bereich des Drehzahlbandes angepasst, um die Fahrbarkeit zu verbessern. Bei der TE250i und TE 300i wurde der Auslassport und die Wasserpumpe optimiert.

Bei allen Modellen wurden Anbauteile wie Kühler besser hinsichtlich Massenzentralisierung positioniert. Die Motoren wurden ebenfalls anders im Rahmen eingebaut. Beim Fahren ohne direkten Vergleich zu den alten Modellen merkt man keinen großen Unterschied. Lediglich bei der 150er kann man jetzt sagen, dass sie jetzt im schwierigen Gelände leichter bewegt werden kann. Es ist jetzt nicht mehr wie „alles oder nichts“. Man kann auch dosiert untertourig fahren. Die 250er Viertakter überrascht mit deutlich verbesserter Leistung. Die 501er fahren sich im unteren Bereich viel sanfter als zuvor.

 

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Motor Husqvarna TE250i- Modell 2020

 

Die Auspuffbirnen wurden generell neu designt. Die Motorentechniker geben dafür 3 Gründe an: Ersterer ist eine angenehmere Leistungscharakteristik. Der 2. Grund ist die Stabilität. Bei Beschädigungen ist im Normalfall nur ein kleines Segment betroffen und somit die Auswirkung geringer. Der 3. Grund ist, dass man mit den kleineren Birnen die Bodenfreiheit erhöht hat und so Beschädigungen von Haus aus vermeidet, was zweifelsohne gelungen ist.Die Kühlung wurde bei allen Modellen verbessert. Ein neues Innenrohr im Rahmen sorgt für bessere Zirkulation und Kühlung. Bei den Zweitaktern wurde auch die Wasserpumpe verbessert. Trotzdem ist es wünschenswert, dass die Zweitakter serienmäßig mit Lüfter ausgestattet werden!

Der Fahreindruck der einzelnen Modelle:

TE 150i: Vielleicht bin ich mit 100kg Gewicht der Falsche um über dieses Motorrad urteilen zu können. Aber das Teil macht trotzdem Spaß beim fahren. Früher war dieses Bike ohne E-Start, ohne Einspritzung und mit nur 125 Kubik eher eine billige Lösung für junge Enduristen. Jetzt, mit E-Start, mehr Hubraum und stark verbesserter Leistung im unteren Bereich lässt sich das Teil auch beim Hard-Enduro gut bewegen. Bei schnellerer Gangart muss man alles geben, um bei den Hubraumstärkeren dran zu bleiben. Das könnte auch ab dem 3. Gang gelingen, wenn man nicht gerade 100kg hätte…

 

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Husqvarna TE150i - Modell 2020

 

TE 250i: Die 250er war eine Überraschung. Nachdem ich bereits mehrere 300er mein eigen nennen konnte wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir jemals eine 250er zuzulegen. Im finnischen Wald mit Auffahrten über Wurzeln und feuchte Granitfelsen hat das aber viel besser funktioniert als mit der 300er. Die Leistung unten setzt einfach viel sanfter ein, was eine wesentlich bessere Kontrolle des Hinterreifens zur Folge hat. Das Resultat: Es passieren einem wesentlich weniger „Hoppalas“. Auf Rennen umgemünzt bringt das Zeit. Dieser Unterschied zur TE300i könnte verringert werden mit Montage geeigneterer Reifen mit Mousse. Letztendlich hat die 250er aber trotzdem die bessere Traktion.

TE 300i: Wie die 250er, nur mit mehr Power unten, was auf glatten Stellen zu Problemen führte. Im Speedteil der Strecke konnte mit der relativ geringen Mehrleistung kein Vorteil erzielt werden. Wer die Leistung für Steilhänge a la Erzberg braucht wird sicher wieder zur 300er greifen. Im Gegensatz zu allen anderen Motorrädern habe ich die 300er kurz zum kochen gebracht.

 

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FE 250: Eine große Überraschung. Hier hat man scheinbar einiges an Leistung gefunden. Oder besser gesagt aktiviert. Die Motocross-Bikes desselben Hubraumes haben ja schon seit jeher viel mehr Leistung. Jedenfalls war die 250er Teil im finnischen Wald der absolute Reißer. Top Traktion auf den Felsen und auf den sandigen Zwischengeraden hat man ausreichend Schub um an den größeren Hubräumen dran zu bleiben. Das Handling ist gewaltig. Biegt unglaublich ab. Beim direkten Umstieg muss man etwas auf Vorderrad-Rutscher aufpassen. Fühlt sich extrem leicht an.

FE 350: Hier braucht nicht viel gesagt zu werden. Ohne direkten Vergleich zu den alten Modellen fällt nur die bessere Gabel auf. Das Renngerät schlechthin. Kann alles!

 

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Husqvarna FE250 - Modell 2020

 

FE 450: Ehrlich gesagt war die Strecke in Finnland nicht ganz auf die Dickschiffe zugeschnitten. Auf den schwierigeren Auffahrten war man mit den Zweitaktern und kleineren Viertaktern besser bedient und auf den Zwischenstücken müsste man schon die Lebenserwartung herunterschrauben um schneller zu sein. Wären längere Steilhänge eingebaut, würde es anders aussehen.

FE 501: Ähm, ja. Ok, Leistung vorhanden. Mehr als man im Gelände jemals verarbeiten kann. Aber die Kundschaft der FE 501 montiert ja gerne mal Supermotofelgen oder fährt Schneerennen. Die gute Nachricht für Endurofahrer - Die Überarbeitung des Motors macht das Teil unten noch sanfter, sofern man da von sanft sprechen kann.

 

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Husqvarna FE450 - Modell 2020

 

Die großen Veränderungen der Husqvarna Modelle 2020:

Gabeln: Ich habe keine der Gabeln zum Durchschlagen gebracht. Das Modelljahr 2020 kommt mit neuem Midvalve und Setting. Das Ansprechverhalten ist unglaublich gut, die Durchschlagsicherheit offensichtlich ebenfalls. Heuer gibt es sogar einen Indikator für den Federweg. Ich würde mir selbst nur mehr auf das Gewicht abgestimmt Federn rein machen und das war es! Harte Rennfahrwerke bringen ja nur was, wenn man 2h permanent auf Druck fahren kann. Für Rennen a la Roots of Türnitz erscheint das neue Serienfahrwerk optimal.

Federbein:  Unauffällig, straffer als 2019

Sitzhöhe: Trotz Besitz eines alten Modells praktisch nichts bemerkt. Beim Umsetzen bei Auffahrten ein kleiner Vorteil. Auch für kleinere Fahrer..

Kühlung: Bei allen Modellen verbessert: Die TE300i hat einmal gekocht. Vermutlich nur weil etwas zu viel Wasser im Kühlsystem war. Ein Lüfter für die Zweitakter wäre wünschenswert.

Auspuff: Neue Birnen bei den Zweitaktern. Diese sind jetzt kleiner. Ein Vorteil beim Hardenduro. Vor allem beim Bergabfahren über Hindernisse bemerkt man den kleineren Krümmer deutlich.

Gewicht: Insgesamt wurde einiges eingespart: 250 Gramm beim Rahmenheck, bis zu 500g bei den Motoren. Der Weg führt in die richtige Richtung. Sicher kein Nachteil. Beim Fahren merkt man es nicht.

Design: Das Bodywork wurde verbessert. Ob es gefällt ist Geschmacksache. Funktionieren tut es. Es fährt sich so, dass man nie daran denken muss und das ist gut. Manches wurde auch auf Stabilität verbessert (Lichtmaske). Manche Teile auf bessere Wartung (rechter Seitendeckel hinten). Der Scheinwerfer polarisiert wie eh und je.

Motoren: Die Motoren wurden allesamt verbessert. Leistungseinsatz, Fahrbarkeit, Zündkurve, Haltbarkeit und Gewicht. Es wurden tausende Stunden am Prüfstand absolviert und bei Testfahrten verifiziert. Was fällt beim Testen auf: Alles läuft gut. Es passt jeder Ganganschluss, keine Leistungslöcher, alles perfekt. Die TE150i und FE250 wurden zu ihren Vorgängern deutlich verbessert und die 501er im unteren Bereich sanft gemacht. Bei den anderen Modellen müsste man vorher mit dem 2019er Modell fahren um einen Unterschied zu spüren.

 

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In Summe gibt es also sehr viele Veränderungen, von denen viele nicht spürbar sind. Man hat jeden Teil umgedreht und versucht es zu verbessern. Die herausragende Änderung ist sicherlich die Performance der Gabel. Mit allen Neuerungen sind die 2020er Modelle jedenfalls besser als die Alten.

Husqvarna zeigt sich sehr stolz das Graham Jarvis am Erzberg bewiesen hat, das die neuen Modelle funktionieren. Wer jetzt glaubt Graham Jarvis hat sein eigenes Bike extrem umgebaut der irrt. Für die Tage in Finnland war er mit den originalen Bikes unterwegs und selbst mit den Schlauchreifen fährt er im Wheelie über Felsen hoch an denen Offroad-erfahrene Journalisten gnadenlos abnudeln. Sein Bike ist nicht weit vom Serien-Motorrad entfernt.

Wie es das Schicksal so wollte konnte der Meister in einem Spaßbewerb! auf der EE5 besiegt werden. Wobei ehrlicherweise gesagt werden muss, dass Graham wenn er es ernst nimmt vermutlich auch auf einem elektrobetriebenen Handhubwagen (Ameise) gewinnen würde. Aber trotzdem Sieg ist Sieg. Wie beim Fußball: Drin ist Drin :-)

Die EE5 ist ein Elektrogerät dass es mit 50ccm Motorrädern aufnehmen kann. Vielfach verstellbar, kann das Teil leistungs- und größenmäßig an das Alter und Können angepasst werden. Optimal für Kids, da man damit auch im größeren Garten seine Runden drehen kann. Und hochqualitativ. Der Preis liegt bei 4999 Euro.

 

Mehr zu den neuen Husqvarna Enduro Modellen 2020: https://www.husqvarna-motorcycles.com/at/enduro/

Weiterer Beitrag: Husqvarna Enduro Modelle 2020 - First Look Media Launch!

 

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Husqvarna EE5

 

Bericht: Enduro-Austria, Rüdiger Wolfgruber
Fotos Studio: KISKA GmbH und Mitterbauer H. - Actionfotos: Romero S., Campelli M.

 


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