Im hart umkämpften Segment der Offroad-Motorräder hat sich die italienische Traditionsmarke Beta in den letzten Jahren zu einem Big-Player in der Szene gemausert. Beta begegnet den etablierten Platzhirschen schon seit längerem auf Augenhöhe und stellt, vollkommen zurecht, für immer mehr Fahrer eine sehr gute Alternative dar...

 

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Für das Modelljahr 2020 hat sich Beta nicht mit der, so wie in den letzten Jahren üblichen Modellpflege begnügt, sondern hat alle acht Modelle komplett neu überdacht und entwickelt – mit Erfolg. Die Grundstruktur sämtlicher Kubaturen stellt ein neuer Rahmen dar, welcher mit überarbeiteter Geometrie und dem Einsatz von Feingussteilen nun eine deutlich agilere und zuverlässigere Basis bildet. Auch qualitativ hat man hier einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.

Auch der Heckrahmen wurde komplett neu entworfen und glänzt jetzt mit einem deutlichen Zugewinn hinsichtlich der Integration der elektrischen Komponenten und der Filtergehäuseteile. Auch die generelle Verarbeitung aller Schlüsselkomponenten wirkt bei der neuesten Generation deutlich höherwertiger.

 

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Bezüglich Fahrwerk setzt man bei den Standard-Modellen immer noch auf Federelemente von ZF/Sachs. Im Gelände spricht das Fahrwerk relativ sauber an und arbeitet in technischen Sektionen sehr feinfühlig, was sicherlich auf den langjährigen Trial-Background zurückzuführen ist.

Speziell die Gabel bietet aber bei forcierterer Gangart relativ wenig Reserven und stößt bei schnellen Fahrern schnell an ihre Grenzen. Es ist bei dem breiten Spektrum, das der Endurosport heutzutage bietet, für die Entwickler aber sicherlich kein Leichtes hierbei die goldene Mitte zu treffen und Bedürfnisse von Endurocross bis hin zu Hardenduro abzudecken. Das Federbein hingegen arbeitet auch in schnellen Sektionen sehr gut und macht das Motorrad bei ruppigen Bremswellen oder Wurzelteppichen sehr gut beherrschbar.

Auch die Motoren wurden bei der neuesten Generation komplett überarbeitet. Die 250ccm und 300ccm 2-Takt Aggregate wurden um eine Ausgleichswelle erweitert und bringt nun so das Vibrationsniveau endlich auf das der Konkurrenz. Bei der Gemischaufbereitung setzt man nach wie vor auf altbewährte Technik und vertraut einem Vergaser. Bei den Standard-Modellen wieder mit Getrenntschmierung.

Der 200ccm Motor blieb unangetastet und er 125ccm Motor hat einen neuen Zylinder mit einer modifizierten Auslasssteuerung erhalten. Die 4-Takt Motoren haben tiefergreifende Modifikationen erfahren. Das Kurbelgehäuse wurde komplett neu gestaltet, durch eine kompaktere Wellenanordnung wurden die oszillierenden Massen verringert, Zylinder und Zylinderkopf wurden überarbeitet, sowie der Wasser- und Ölkreislauf für einen besseren Wärmeaustausch.

 

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BETA RR Racing:

Der Wunsch nach einem besseren Fahrwerk wurde von Beta jetzt aber endlich erhört! Die Racing-Modelle sind mit einer AOS-Closed-Cartridge-Gabel von Kayaba bestückt. Diese Gabel bildet bereits seit Jahren die Referenz im Offroadsport und das Konzept der RR-Racing lässt nun auch für die schnellen wettbewerbsorientierten Fahrer keine Wünsche mehr offen.

Wie auch in den vergangenen Jahren verzichtet Beta hierbei wieder aus Gewichtsgründen auf die Getrenntschmierung.
Neben der serienmäßigen Metzeler SixDays Bereifung sind die Upgrades bei den Racing-Modellen sonst eher optischer Natur.

 

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Foto: BETA RR Racing

 

Die Fahreindrücke der getesteten Modelle:

Beta RR 125

Als reines Wettbewerbsgerät für die Klasse E1 will sie durch den hubraumbedingten Mangel an Drehmoment sehr aktiv bewegt werden. Die richtige Gangwahl und ein Finger auf der Kupplung sind hier Pflicht. Wenn der Fahrer dann aber auch noch fit ist und weiß, wo das Gas ist, ist die 125er pfeilschnell. Sie ist definitiv das wendigste, agilste und leichteste Motorrad der Modellpalette.

Beta RR 200

Durch das äußerst geringe Gewicht lässt sich die 200er fast bewegen wie ein Mountainbike. Sie wirkt extrem agil, spielerisch und in keiner Situation überfordernd. Der Motor erinnert von der Charakteristik an eine 125er – das Kurbelgehäuse ist ja auch tatsächlich dasselbe – jedoch mit deutlich mehr Drehmoment. Dadurch lässt sie sich sehr kraftsparend und effizient fahren. Besonders für Neueinsteiger in den Endurosport stellt die 200er eine erstklassige Plattform dar, um Erfahrungen zu sammeln. Aber auch für Enduristen, die nicht verbissen um Zehntel auf der Sonderprüfung oder Checkpoints am Erzberg kämpfen ist sie ein echtes Spaßgerät!

Beta RR 250

Für alle 2-Takt-Fans ist das eine echte Waffe in der Klasse E2! Die 250er hat wirklich mehr als ausreichend Spitzenleistung und Drehmoment – verzeiht somit auch den ein oder anderen Fehler bei der Gangwahl. Der Übergang in den Resonanzbereich ist super sanft. Der Motor lässt sich generell sehr gut dosieren. Auch vom Handling her wirkt sie extrem wendig, fühlt sich jedoch auch auf schnelleren Sektionen sehr wohl und lässt sich präzise bewegen. Generell wirkt sie sehr vorhersehbar und wenn man das Gasseil spannt, trachtet sie nicht nach dem Leben Fahrers, so wie man es vielleicht noch von früher kennt.

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Beta RR 300

Für Hardenduristen die erste Wahl und absolut zurecht das meistverkaufte Modell von Beta. Leistung ohne Ende und Drehmoment, das seinesgleichen sucht. Mit der 300er kann man problemlos immer einen Gang höher unterwegs sein – die Suche nach Traktion ist mit ihr ein Leichtes. In Punkto Handling lässt sie sich nur schwer von der 250er unterscheiden. Auch beim größten 2-Takter spürt man die Nähe zum Trialsport. Je enger und technischer es wird, desto wohler fühlt sie sich. Auch wenn der Lenkeinschlag bei der neusten Generation konstruktionsbeding leider etwas zurückgenommen werden musste.

 

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Beta RR 350

Der kleinste 4-Takter der Modellpalette fordert subjektiv am meisten Konzentration vom Fahrer. Obwohl die Leistungsabgabe sehr linear erfolgt muss man sie trotzdem im höheren Drehzahlbereich bewegen. Der falsche Gang in einer engen Sektion wird des Öfteren mit ausploppen bestraft. Die 350er ist eher etwas für die schnelle Sonderprüfung als für den Hardenduroeinsatz. Vom Handling her ist sie aber trotzdem überraschend agil und leichtfüßig für einen 4-Takter.

Beta RR390

Die 390er ist sicherlich das am meisten unterschätzte und vielseitigste Motorrad von Beta! Sie bildet einen sehr guten Kompromiss aus leichtem Handling und Leistung – Traktion ist hier definitiv Trumpf! Mit einem deutlichen Plus an Drehmoment im Vergleich zur 350er lässt sie sich auch hervorragend in den härteren Sektionen bewegen, wirkt dabei aber überhaupt nicht so plump und behäbig, wie man es sich von einem 4-Takter dieser Leistungsklasse erwarten würde.
Sie ist der echte Allrounder in der Modellpalette!

Beta RR 430

Drehmoment ohne Ende bietet die 430er. Durch die höheren rotierenden Massen büßt sie klarerweise etwas an Agilität und Leichtfüßigkeit ein. Dafür kann man sie sehr schaltfaul bewegen. Die 430er spielt mit der relativ langen Übersetzung ihre Stärken ganz klar auf schnellen Strecken aus.

Beta RR480

Da sich 430er und 480er dieselbe Plattform teilen, ähneln sich ihre Eigenschaften recht stark. Durch das noch höhere Drehmoment und Spitzenleistung ist sie im Wettbewertseinsatz eher etwas für erfahrene Piloten mit einer entsprechenden körperlichen Verfassung.
Wenn man die 480er aber nicht im Grenzbereich bewegt, sondern eher schaltfaul durchs Gelände schwebt, ist sie durch ihre enorme Reichweite die erste Wahl zum Endurowandern.

Fazit:

Zusammenfassend betrachtet hat Beta wieder einen sehr großen Schritt in die richtige Richtung gemacht und bringt so wieder frischen Wind in vorherrschende Markendominanz im Endurosektor.

Auch sicherlich nicht unerwähnt sollten die hervorragende Ersatzteilversorgung von den kompetenten Händlern und die wirklich moderaten Preise dieser im Vergleich zur Konkurrenz bleiben. Gerade bei einem doch recht materialintensiven Sport ist das eine Annehmlichkeit die man nicht mehr missen möchte, wenn man sie gewohnt ist.

Link: https://www.betamotor.com/de/ 

 

Bericht: Enduro-Austria, Tom Boder 


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