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Beta 350 RR X-Pro 350 4-Takt im Test. Hier der Enduro-Austria Erfahrungsbericht:

Beta-Zweitaktmodelle sieht man mittlerweile bei jedem Enduro-Event. Die Viertakter nehmen zu, sind aber noch immer relativ selten. Im Frühjahr hatten wir die Gelegenheit, die vergleichsweise wenig verbreitete und vermutlich preisgünstigste wettbewerbsfähige Viertakt-Enduro ausführlich zu testen. Hier unsere Erfahrungen:

Bereits bei der ersten Fahrt fühlt man sich auf der Beta sofort wohl. Ob Zufall oder nicht – Hebel, Lenker, Durchhang und Co. waren so gut eingestellt, dass das Fahrgefühl von Anfang an gut war. Einzig der Motor fiel bei kalten Temperaturen durch ein auffällig hohes Standgas und einen sehr hellen Auspuffsound auf. Das beruhigte sich nach ein paar Minuten, und der Motor läuft dann wieder unaufgeregt. Das wiederholte sich bei jedem Kaltstart.

Das Fahrwerk ist so abgestimmt, dass man bei normaler Gangart gleich begeistert ist. Das gute Ansprechverhalten und der Komfort verlangen natürlich Einbußen bei rennmäßiger Fahrweise. Um dorthin zu gelangen, muss man sich aber sehr bemühen. Im Gegensatz zum Fahrwerk muss man sich an den Motor erst einmal gewöhnen. Er läuft doch etwas anders als die Beta-Zweitaktarmada bzw. Konkurrenz.

 

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Der Motor: Ein Aggregat mit einem schier unendlichen Drehzahlband. Die Beschreibung der Leistungsentfaltung lässt sich nicht in unten, mitte oder oben aufteilen. Der Motor hat keine spürbaren Übergänge und lässt sich immer seidenweich fahren. Er kommt einem sehr schwach vor, ist es aber nicht. Das Gerät ist das Gegenteil von brutal, hat aber trotzdem genug Leistung für alles, was ein Endurotrack im Gelände so bieten kann.

Ein moderner Motor. Man sieht das in der EnduroGP. Die Gesamtwertung wird mit den hubraumschwächeren Geräten gewonnen. So ist auch dieser Motor. Super zum Dosieren und hängt immer am Gas. Wer damit schnell sein will, muss auch ordentlich am Gashahn ziehen und die Vollgasstellung auch länger halten.

Die maximale Leistung ist in etwa wie die einer Zweitakt-250er, und die im Test maximal erreichte Geschwindigkeit war 139,7 laut GPS-Messung. Das war aber nur ein sehr kurzes Asphaltstück auf einer Verbindungsetappe mit einem Extrem-Mousse und der Originalübersetzung. Es ginge noch wesentlich mehr.

Sonst macht der Motor einen grundsoliden Eindruck und verlangt nicht nach viel Wartung. Zwei Ölkreisläufe, was den Motor vom Kupplungsabrieb trennt. Die Kupplungsbetätigung ist relativ streng, und die Beta-Kupplung quietscht und rupft leicht wie alle Beta-Kupplungen bei wiederholter harter Belastung, was sich allerdings nicht sonderlich auf die Performance auswirkt.

 

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Was den Motor schon sehr von der 300er Schwester unterscheidet, ist die Tatsache, dass er bei langsamer Hardendurofahrt wie alle 4-Takt-Enduromotoren gerne mal abstirbt. Es passiert nicht oft, aber es passiert. Das soll aber nicht heißen, dass man mit dem Bike nicht Hardenduro fahren könnte. Man kann mit den Zweitaktern mit, muss aber konzentriert zu Werke gehen.

Bei langsamster trialähnlicher Fahrweise macht ein Zweitakter viel mehr Spaß. Alltagstauglicher dagegen ist in jedem Fall die 4-Takt-Beta. Da gibt’s kein Umdüsen und nichts zum Einstellen. Nicht mal das Standgas. Tanken und fertig. Der Verbrauch ist erwähnenswert gering und man hat fast die doppelte Reichweite des 300er Zweitaktmodells. Allerdings fängt man weit vorher zum schwitzen an weil die Tankanzeige bei 2,5 Litern Restbenzin schon zu leuchten beginnt. Theoretisch, denn wenn man im Gelände mal schief steht kann das auch schon bei 4,5 Litern passieren und das ist fast der halbe Tankinhalt. Egal, man kommt mit der Reserve unter schlechtesten Umständen mindestens 25 Kilometer.

Mappingschalter? Früher am Tank und während der Fahrt schwer erreichbar. Jetzt am Lenker und das macht es nicht besser. Die Mappings unterscheiden sich nicht sehr voneinander und die Traktionskontrolle ist nett gemeint, aber nicht wirklich brauchbar. Eigentlich kann man den Schalter ausbauen. Sehr positiv überrascht die Kühlung. Trotz intensiver Belastung haben wir das lüfterlose Motorrad nie zum Kochen gebracht. Ok. Es war Winter bzw. Frühjahr, aber bisher haben alle 4-Takter ohne Lüfter gekocht.

Was nicht besonders gefällt, ist die hohe Leerlaufdrehzahl beim Starten. Gerade beim Wegfahren vom Haus will man wenig Lärm machen, was einem durch das hohe Standgas und den grell klingenden Auspuff nicht gelingt. Wenn der Motor warm ist, läuft er wieder ruhig. Die Motoreinstellungen sollte man beim Kauf mit dem Händler diskutieren. Da lässt sich z. B. das Standgas auf 3 verschiedene Stufen einstellen, die dann von einem selbst nicht mehr verändert werden können.
Fazit: Der Motor läuft sehr sanftmütig, ist aber absolut renntauglich, wenn man den Gashahn bis zum Anschlag dreht. Für einen knackigeren Race-Sound sollte ein Rennauspuff geordert werden.

Fahrwerk: Mit dem Beta RX-Pro Fahrwerk wird jeder glücklich, der das Motorrad im schweren Gelände oder eher langsam bewegt. Da ist das weiche komfortable RR X-Pro Fahrwerk dem KYB Fahrwerk von den Racing-Modellen weit überlegen. Das Racing-Fahrwerk könnte das natürlich auch, allerdings nicht mit der Originalabstimmung. Dafür kann man mit dem X-Pro Fahrwerk nicht gut Motocross fahren. Einfache MX-Strecken gehen natürlich schon, aber bei Strecken wie Birkfeld, wo man einen ordentlichen Gegendruck vom Fahrwerk braucht, lassen die Federelemente vorne und hinten gleichermaßen durchschlagen. Man kann natürlich mit den Einstellern und der Vorspannung an der Gabel etwas dagegen arbeiten, auf ruppigen MX-Strecken kommt man dennoch an seine Grenzen.

 

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Für alle Beta-Endurofahrwerke, egal ob Zwei- oder Viertakt, bestätigt sich immer wieder folgende Regel:

RX-Pro-Fahrwerk: Sehr gut für Hardenduro und ausgesprochen komfortabel. Alltagstauglich. Für Normalfahrer renntauglich, nicht aber für die ganz schnelle Abteilung. MX ist eingeschränkt möglich.

Racing-Fahrwerk: Sehr gut für Endurorennen und relativ gut für MX. Hardenduro geht auch, aber nach mehrtägigen Hardenduro-Events lässt man das gerne weicher machen. Langsame Fahrer kommen nie in den Bereich, in dem das Fahrwerk im Originalzustand gut arbeitet.

RX-Fahrwerk: Sehr gut für MX, alles andere will man damit nicht fahren.

Die verschiedenen BETA-Fahrwerke kann man übrigens 1:1 austauschen und das Motorrad dementsprechend in Enduro oder Hardenduro verwandeln. Interessant ist, dass sich durch die verschiedenen Längen bzw. Einstellungen der unterschiedlichen Fahrwerke verschiedene Sitzhöhen ergeben. So zum Beispiel hat eine Beta Motocross eine um fast 4 cm höhere Sitzhöhe. Das Racing-Modell liegt ziemlich in der Mitte und die X-Pro ist so ziemlich die niedrigste vollwertige Enduro am Markt, was sich natürlich auch beim Fahren im schwierigen Gelände bemerkbar macht.

Chassis: Der Main-Body der Beta macht einen sehr soliden Eindruck und sie sieht auch ausgesprochen gut aus in dem knalligen Rot. Die Elektrik unter der Sitzbank und hinter der Lampenmaske ist gut aufgeräumt und funktioniert ausfallfrei. Nebenbei gibt es eine richtig hochwertige Batterie.

Wiegen tut das Teil mit vollem Tank und einem X-Grip SSE-2 Mousse hinten 120,2 kg. Eine 300er Racing ist auf derselben Waage um 7 kg leichter. Kilos, die man erst merkt, sobald man sie mal aufheben muss. Aber das ist bei allen 4-Taktern gleich.

 

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Beeindruckend wie immer die Beta-Bremsen, vor allem, wenn sie nagelneu sind. Hinten haben die Beläge jetzt mit 2 Kevlarplatten hinter den Belägen zur noch besseren Kühlung. Die hinteren Speichen sollte man im Blick haben, die wurden beim Testgerät locker. Die Anbauteile wie Kette, Hebel, Griffe, Tacho und Fußrasten etc. sind tadellos.

Einzig der Schnell-Connector vom Tank ist aus einfachem Plastik gebaut und wirkt sehr filigran, den könnte man gegen etwas Besseres tauschen. Für unsere Zwecke gibt es bei dem Gerät sonst wenig zu verbessern. Eventuell stabilere und geschlossene Handguards, einen Lüfter und ein Rennauspuff wäre auch nicht schlecht. Mousse und andere Reifen sowieso, aber dann war's das.

Wo wir wieder beim Fahrwerk wären. Das eignet sich, wie beschrieben, super für Hardenduro, was wir aber lieber mit einer Zweitakt fahren. Für uns Endurorennfahrer wäre die 350er in der Racing-Version richtige Wahl und so etwas wie Alltagstauglichkeit hat für E.A.R.T. Fahrer so gut wie keine Bedeutung.

Ein solides Motorrad, fährt sich sanft wie ein Lamm und kann trotzdem schnell sein.

Spaß macht sie allemal. Den hatten wir wie man auf den Bildern sieht. Der Preis ist interessant: Liste nur 10920 Euro. Die Racing Version ist um 370 Euro teurer

Link: Alle Beta Enduro Modelle

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Test: Enduro-Austria, R.W. 

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