Kroatien, Kunovac Kupirovacki war am Wochenende zum vierten Mal Schauplatz des Extreme Enduro Lika. Bereits bei der Ankunft am Freitag im Paddock wurden die Fahrer vorsorglich schon zur Anmeldung gebeten, damit es am Samstag nicht zu zeitlichen Verzögerungen kommt. Am Samstag hatte jeder Rider die Chance, zwei Runden Prolog zu fahren. Gestartet wurde nach den Klassen Expert vor Team, Veteran und Hobby in 20 Sekunden Abständen...

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Die beste Prologzeit entschied dann über die Startreihenfolge am Sonntag. Bereits die Prologstrecke verlangte den Fahrern so einiges ab, da hier schon endlos lange Hänge, Bachdurchfahrten, Singletrails, Steilabfahrten und sandige High-Speed-Passagen eingebaut waren. Nach dem Prolog waren sich viele Fahrer einig, dass dieser enorm kräfteraubend war und es sich hier um einen Prolog handelt, der von der Fahrzeit länger als üblich ist. Der schnellste Fahrer absolvierte den Prolog in rund 19 Minuten, langsamere Fahrer brauchten schon mal bis zu einer Stunde oder länger. Am Samstagabend gab es dann eine Siegerehrung für den schnellsten Fahrer der zehn verschiedenen Nationen die hier vertreten waren.

Sonntag- Renntag: 08:30 Uhr Benzin abgeben: Der wurde vom Veranstalter zum Tankpoint gebracht, 08:45 Uhr Fahrerbesprechung und anschließend um 09.00 Uhr ging es auch schon los mit dem Extreme Enduro Rennen. Insgesamt galt es, alle 16 Checkpoints in 6 Stunden zu bewältigen, wobei EXPERT und TEAM eine schwerere Spur fahren mussten als HOBBY und VETERAN. Rund 60 Kilometer in denen die Fahrer verschiedenster Nationen sich durch das Gelände kämpften.

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Die Strecke führte durch ein Bachbett, über wurzelige Wege, felsige Auffahrten, steile lange Abfahrten und quer durch die heimischen Wälder die es, wie wir wissen, bei einem Extreme Enduro meistens in sich haben. Der, vom vielen Nachtnebel, anfangs nasse Boden machte es auch nicht gerade einfacher aber wenigstens kühl, denn die sommerliche Hitze ließ nicht lange auf sich warten. Kaum war der Nebel weg, kratzten die Temperaturen schon wieder an der 30 Grad Marke. Zum Streckenverlauf kann man nur sagen – Es ist anders – und wer es genau wissen will, muss sich selbst bei diesem Rennen versuchen, es ist die weite Anreise auf jeden Fall wert.

Im Endeffekt ein sehr schönes Extreme Enduro, bei dem man sehr viel zum Fahren kommt. Und dies in den Bergen des Velebit-Gebirges in Kroatien mit einwandfreier Verpflegung, top Organisation, super Zeitnehmung, es wurde einfach an alles gedacht. Es gab im Rennen beim Tankpoint sogar für jeden Fahrer Gratis Wasser und RedBull vom Veranstalter. Danke an Croatia Enduro Lika Tomislav Maric und an all seine helfenden Hände für dieses tolle Event.

 

Enduro Lika - Erfahrungsbericht von E.A.R.T. Fahrer Anton Edlinger:

Nach einem Jahr Pause war mein Körper wieder soweit, um auf die Probe gestellt zu werden. 6 Stunden Hardenduro in Lika. Um dieses Mal wenigstens nicht alleine herumrecken zu müssen, hab ich mir einen erfahrenen Partner gesucht. Den frischgebackenen Champion vom Österreichischen Endurocup, Altmeister Pirolt Thomas.
Da es am Samstag bereits zeitig losgeht sind wir schon am Freitag angereist. Da es bereits recht spät war sind wir dann gleich darauf ins Zelt um was zu Essen. Cevapcici mit Salat und ein Bier um 5 Euro. Perfekt. Es gab jedoch auch ein paar Fahrer die schon das 2. Bier oder so hatten. Denn so gegen 9 Uhr gab es das erste Burnout im Zelt. Gehört ja irgendwie auch dazu.

Am Samstag dann um 10 Uhr der Start zum Prolog. Zuerst ein Hindernis-Parcours dann raus in den Wald. Die schnellsten brauchten knapp 20 Minuten. Die Langsamen jedoch fast a Stunde. Sagt eigentlich schon alles über die Schwierigkeit aus. Vor allem die schottrige, steinige Auffahrt auf den Berg war nicht einfach zu erwischen. Im ersten Lauf hab ich mir glaub ich immer die Schlechteste ausgesucht. Entweder wurde es immer tiefer, immer steiler oder sonst ist schon jemand anderes dringesteckt... aber egal. Wichtig ist der Sonntag.
Tagwache sieben Uhr. Ein deftiges Frühstück (Eierspeise mit Speck), Moped noch einmal kurz durchchecken, Trinkrucksack auffüllen und den Spritkanister raufbringen. Der Veranstalter transportiert alles was bis 09.00 abgegeben wird zur Tankzone. Dann ging es auch schon los. Bei dichtem Nebel wurden im 20er Sekundentackt die Fahrer auf die Strecke losgelassen. Zum Aufwärmen ging es anfangs noch recht gemütlich durch den Wald. Doch dann kam bereits die erste Abzweigung.

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Hobby am Weg weiter, Expert und Teamfahrer runter in den Bach. So mal schnell einen Kilometer über Steine, Wurzeln, Bäume und Felsen. Was gibt es schöneres am Sonntagmorgen. Da wir nicht die schnellsten im Prolog waren, dauerte es auch nicht lange zum ersten Stau. Meterhohe Felsen + Lehmboden ist eben eine tolle Mischung. Doch zum Glück waren wir ja zu zweit unterwegs. So hat man immer jemanden zur Seite der einem einen kleinen Schubs zur richtigen Zeit gibt. Nach ca. einer Stunde dann endlich der erste Checkpoint. Also nur noch 15 ...

Checkpoint 2 war dann ähnlich, nur im Trockenen. Mit dem 3. Punkt veränderte sich nun auch das Gelände. Von Schotter und Felsen zu Wald und Wurzeln. Leider passierte bei der letzen Auffahrt zum 3er ein Malheur. Der Herr Pirolt hat sich das Kreuz verrissen und konnte nur mehr wie eine Schildkröte am Rücken liegen. Nach gutem Zureden (tua net so bled, tua weita, es san nur mehr 13 Checkpoints...) konnten wir nach ca. 20 min die Fahrt wieder aufnehmen. Es wurde durch die Bewegung sogar wieder etwas besser. So kämpften wir uns leicht gehandicapt, eigentlich kurz vorm sterben, weiter bis zur Tankzone. Zum Glück haben Sie dort Wasser ausgeteilt. Ich hab auf der Stelle 2 Flaschen auf ex ausgetrunken. Danach dann mal kurz hinsetzen und einen Müslirigel essen. Wir waren ja auch schon 4 Stunden unterwegs. Aber nach ein paar Minuten kehrte der Lebenswille zurück. Also Tanken, Trinkrücksack auffüllen und weiter. Nochmals danke fürs Wasser. Ich glaub die haben dort mind. 1000 Flaschen verteilt.

Irgendwie ging es nun etwas leichter. Checkpoint 9 war wieder am Gipfel vom Prologberg. Nur diesmal ist einmal nicht genug. Hinterm Berg runter und gleich nochmal rauf. Aber diesmal richtig. „Also gefühlt an Kilometer in Himmel rauf“. Loser Schotter, Sand und Felsengemisch. Teilweise auf Motorradtiefe ausgegraben. Ich bin mir auch sicher, dass die Führenden, wenn sie jetzt nochmals rauf müssten genauso hilflos im Hang stecken würden. Teilweise gruben sich Kanten aus und wir mussten die Mopeds aus der Spur heben, um an Baum oder Felsen herumtragen damit es wieder weiter ging.
Aber irgendwann waren wir auch oben. Dynamite CP10 geschafft. Dann zum Glück wieder was zum cruisen. Bis wir dann vor einer Wand mitten im Wald standen. Eine fast senkrechte Auffahrt, schmierig und garniert mit Wurzeln. Checkpoint 11 musste man sich wirklich verdienen. Leider/zum Glück war dann unsere Zeit bereits um und wir fuhren die Hobbyspur bis zum Paddock zurück.

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So hätten wir Lika 2016 auch geschafft. Besser gesagt wir waren geschafft. Und warum? Keine Ahnung.
Zuerst 6 Stunden Autofahren, dann das Moped über Stock und Stein werfen, sich selbst quälen und das alles mitten im Dreck. Ich kann’s mir selbst ja nicht mal erklären. Jemand der nichts mit Enduro am Hut hat fragt sich sowieso was mit uns verkehrt läuft. Aber egal, ich freue mich schon auf nächstes Jahr.

Und jeder der schon immer mal ein Hardenduro mitfahren wollte, dem kann ich Lika wärmstens empfehlen. Preis Leistung TOP, Verpflegung TOP, Strecke scheiße also TOP und wenn es zu schwer wird gibt es ja die Hobbyspur. Wir sehen uns 2017

 

Veranstalterlink und Ergebnisse: http://www.extremeendurolika.eu/ 

Link: Weitere Fotos von Niki Peer:

Link: Weitere Fotos vom Enduro Lika auf Enduro-Austria

 

Texte: Enduro-Austria/Adi Ringhofer, Anton Edlinger
Fotos: Enduro-Austria, 907Racing, Niki Peer(c)

 


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