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Enduro-Austria hat im Sommer 2017 die neue 701 Husqvarna getestet. An mehreren Tagen wurde die Alltags- und auch die „Damentauglichkeit“ der großen Huski-Allroundenduro unter die Lupe genommen. Dr. Cora Klug, bekannt auch als Rennärztin der Enduro-Masters-Serie, hat für uns den Test mit dem Slogan “Girls just wanna have fun“ durchgeführt...

Cora: „Also wenn ich heuer im Urlaub schon nirgends hinfahre, dann muss ich mir das Urlaubsfeeling irgendwie nach Hause holen, dachte ich mir. Da kam mir die Gelegenheit für Enduro-Austria eine Husqvarna 701 Enduro fahren zu dürfen, genau richtig!

Ich werde also versuchen, dieses Motorrad auf seine „Alltagstauglichkeit“ zu testen, von der ja immer die Rede ist, und nicht probieren, alle möglichen (und auch unmöglichen) Sonderprüfungen damit zu bestehen. Das haben schon genug andere vor mir getan – und können das auch sicher besser!

 

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Mein Ziel ist es, die „Frauen-Alltagstauglichkeit“ näher zu beleuchten! Nur, was genau kann man darunter verstehen? Es sieht doch jede Frau und jeder Alltag anders aus – Die Anforderungen sind die unterschiedlichsten: Die eine ist Studentin und muss jeden Tag den Weg zur Uni durch dichten Stadtverkehr möglichst rasch bewältigen. Andere wohnen vielleicht im ländlichen Bereich und müssen am Weg zur Arbeit schon einige Waldwege oder Schotterstraßen passieren. What ever…

Für einen Alltag mit Einkaufen plus Kind und Hund ist ein Motorrad natürlich nicht geeignet! Aber sonst fällt mir so schnell nichts ein, was man nicht mit der 701er mobil bewerkstelligen könnte.

Die Probefahrt mit der „großen Enduro“ sollte ja kein Vergleichstest werden, trotzdem ertappe ich mich immer wieder, sie mit den Bikes, die ich sonst so bewege zu vergleichen. Die Anzeige, Tacho und Bedienelemente sind natürlich gleich (einfach und übersichtlich) wie bei meiner „kleinen“ Husqvarna 350er FE – daher für mich wie üblich zu händeln - und ich muss nix denken! - außer gelegentlich ans Blinken 😉

Ansonsten ist die 701er klarerweise handlicher und wendiger, (nicht nur fahrender Weise, sondern auch beim Rangieren) als die anderen Big Enduros aus unserer Garage. Vom Verbrauch her liegt sie im Schnitt unter 6L. – das ist auch ganz ok.

Doch zurück zum Anfang: Schon beim Abholen hatte ich das erste Aha-Erlebnis (910mm Sitzhöhe !) und kam zu der Erkenntnis, auch nicht nur annähernd so lange Beine zu haben, wie Rudi Pöschl. Aus diesem Grund (und vielen weiteren) werden sich meine Testfahrten auch deutlich von seinen unterscheiden!

Diese Tatsache sollte den Spaßfaktor aber keinesfalls mindern! Einmal mit Schwung aufgestiegen und gleich zügig losgefahren, stellt sich sofort ein Wohlfühl-Gefühl ein und ich genieße es, ratz-fratz durch die Stadt zu kommen. Das gelingt mit der super leichtgängigen Kupplung ganz gut, und durch das geringe Gewicht (leer 145 kg – fahrbereit dann ca. 160kg) und die Wendigkeit des Motorrades huscht man nur so vorbei am Stau und durch die kleinen Strasserln. Das Schalten geht sehr geschmeidig – mir macht´s jedenfalls mit jedem Meter mehr Spaß! Zwischendurch vergesse ich sogar, dass ich beim Stehenbleiben nur mit einem Fuß sicheren Stand habe, aber das motiviert nur umso mehr, einfach gar nicht mehr zum Stillstand zu kommen und immer weiter zu fahren.

 

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Diese hohe Sitzbank ist auch recht hart, manche finden sie zu hart, ich finde sie nicht unbequem. Ihr gerader Verlauf erlaubt es, während längerer Etappen die Sitzposition zu variieren, was durchaus gelegentlich nötig ist. Zwar sitzen wir Frauen mittlerweile ja nicht mehr im Damensitz, aber immerhin auch etwas anders als Männer am Moped! Durch diese aufrechte und durchaus angenehme Sitzhöhe bekommt man auch mehr Überblick über das Treiben auf der Straße. Dieser Vorteil fällt nicht nur im Stadtverkehr sondern auch auf der Landstraße ins Gewicht. Den Traktor rechtzeitig sehen und dann auch gleich zügig überholen können sind schon ganz wichtige Faktoren um gut zu überleben.

Und genug Power für „zügiges“ Vorankommen hat die 701er auf jeden Fall. 67 Pferdchen laufen da mit! Tja und diese Tatsache hat uns dann auf die Idee gebracht, sie mal wirklich mit den Pferdchen laufen zu lassen! Diese Aktion wurde dann zum Vergleichstest der etwas anderen Art!

Die Abmessungen bzw. die Geometrie meines 701er-Schimmels erlauben mir auch im Stehen ein angenehmes Handling, was jedoch in der hohen, nassen Wiese gelegentlich etwas schwierig war.
Auf den Waldwegen und am Schotter war´s dann aber richtig lustig! Ganz nach dem Motto „girls just wanna have fun!“

 

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Letztendlich bringe ich das gute Stück (unversehrt) nach fast 450 gemeinsam gefahrenen Kilometern schweren Herzens wieder zurück und komme zu dem Schluss, dass sie sich schon auch ganz gut in unsere Garage machen würde! So frei nach der Formel für die richtige Anzahl an Motorrädern: n + 1!

Fazit: Die 701er Husqvarna ist ein tolles Allroundmotorrad mit sehr großem Spaßfaktor. Vielleicht aber jedoch nicht für gaaanz kleine Menschen geeignet.“

Link zu den Husqvarna Modellen: http://www.husqvarna-motorcycles.com/at/ 

 

 

Bericht: Cora Klug, Fotos: Claudia Kramberger