Rally Albania vom 3. bis 9. Juni 2017. Ferdinand Kreidl zur Rally: Letztes Antreten mit meiner geliebten KTM 690 Rally Factory Replica Baujahr 2008. Dieses Motorrad hat mich über 7 Jahre bei den tollsten Rallys, Trainings und Abenteuerurlauben kein einziges Mal in Stich gelassen. Sie ist aber eben nicht geeignet für Hardcore-Endurorallys wie die Albania. (siehe Bilder auf Facebook/Rally Albania)...

 

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Ich habe dieses Motorrad tatsächlich bei der Albanienrally massiv zerstört – aber es hat die Rally durchgehalten und fährt und fährt und fährt.....dazu weiter unten.

Unser Verein Offroadgang war mit 2 Fahrern am Start: Günter Lasselsberger, Experts, 690 Enduro mit Rallykit und ich.

Die Abnahme

Bei der administrativen Abnahme erhält man einen Tracker, den man vor der technischen Abnahme direkt an die Batterie anschließen muss. Es werden die Bremsen und seltsamerweise auch die Hupe auf Funktion überprüft. Aber klar, neben dem Lenkrad ist die Hupe die wichtigste Ausstattung eines albanischen Verkehrsteilnehmers – und diese wird leidenschaftlich benutzt. Es ist jedesmal schon eine Challenge für sich Tirana zu durchqueren.

Das Rennen:

Jeden Tag zwei Sonderprüfungen zwischen jeweils 19 und 125 km.

Sonntag 3. Juni – Prolog

Länge 125 km mit ca. 40 Kilometern Sonderprüfung – dient zum Warmwerden. Und: Das Roadbook passt – da hat sich Edvin Kasimati und seine Truppe angestrengt.

Montag 4. Juni – Stage 1

Viel Wasser und Schlamm: immer durchnässt, aber dieses Mal habe ich Ersatzinnenschuhe mit.

Meine Hinterradbremse fällt immer wieder aus, da ich Bremsflüssigkeit verliere. Aber wo? Die Truppe von Sebastian Kaluzny versorgt mich dankenswerter Weise bei jedem Servicepoint mit Bremsflüssigkeit.

Dienstag 5. Juni – Stage 2 – 1. Teil der Marathonetappe

Start der Marathonetappe mit steilen Auffahrten, Rollschotter und Schlamm. Das Motorrad taucht oft ein und der Schlamm schlägt über der Sitzbank zusammen. Wieder den ganzen Tag endlose Quälerei in nassen Stiefeln – aber das ist Rally Albania und so wollte ich das ja. Günter Lasselsberger verletzt sich seine angeschlagenen Achillessehne bei Stage 2 nochmals und steigt aus dem Rennen aus. Bivouk in den Bergen mit einzelnen Challets und zum Abendessen ein eigenartig riechendes Fleisch...vorsichthalber dann einige Whiskys.

Mittwoch 6. Juni – Stage 3 – 2. Teil der Marathonetappe

Bei SS2 reißt es mir nach einer schnellen Passage das Heckteil aus, das sich dann im Hinterrad verfängt. Ich merke es erst, als es verbrannt riecht. Ich muss stehenbleiben, das ganze Heckteil mit Gewalt herausreißen und an meiner Jacke verstauen – Schande: 3 Minuten verloren. Am Abend borge ich mir die Werkbank inkl. Schraubstock und Bohrmaschine von Hannes Lukas und bekomme von ihm eine Aluminiumplatte spendiert. Daraus baue ich drei Halterungen, um zumindest den Kotflügel befestigen zu können.

Donnerstag 7. Juni – Stage 4

Mein Rallyspezi Moritz Hennefeld aus Deutschland, der vom Alter her locker mein Sohn sein könnte, kann es nicht fassen, dass ich in diesem Gelände mit meiner Rally schneller bin als er mit seiner EXC 350. Er wettet am Vorabend, dass er am nächsten Tag eine schnellere Zeit hinlegt als ich! Der Wetteinsatz: Er „frisst“ meine alten Socken! 

 

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Freitag 8. Juni – Stage 5

In der 170 km langen Verbindungsetappe habe ich einen bösen Crash mit einem albanischen Autofahrer. Christan Pastori fährt eine Rechtskurve eng an, die der entgegenkommender Autofahrer schneidet. – Christan steigt über den rechten Kotflügel ab. Ich versuche nach links auszuweichen, aber der Autofahrer gibt Gas und räumt auch mich ab. Ich fliege über das Auto und lande links hinten auf dem Kotflügel. Mein geliebtes Rallymotorrad ist massiv beschädigt:

- Rechter Tank kaputt

- Karbon-Motorschutz zerstört

- Lenker verbogen

- Frontverkleidung kaputt

- Kühler und Kühlerhalterungen verbogen

- Auspuffsohre aus Hosenrohr herausgezogen!!! Diese sind am selbsttragenden Kunststoffhecktank befestigt. Da nichts abgerissen ist, muss das ganze System enorm elastisch sein!?

Ob noch weitere Schäden (Rahmen krumm, Gabelbrücke, Motoraufhängung,....) auftauchen, kann ich erst nach eingehender Analyse sagen. Enormes Glück dabei: wenn der Tank meiner Rally im Fußbereich nicht so breit wäre, hätte mein Fuß an dieser Stelle die Aufprallenergie aufnehmen müssen. Jedenfalls haben wir beide das Auto abgeräumt wie einen Christbaum zu Heiligendreikönig. Wir haben keine Zeit, auf die Polizei zu warten! Wir geben nur die Telefonnummern der Orga bekannt und fahren weiter! Keine weitere Reaktion! Ich kann vor SS1 alles soweit notdürftig reparieren, einen Energieriegel und eine Cola zu mir nehmen, zur Ruhe kommen und starte wieder konzentriert in die Sonderprüfung. Am Abend dann die große Überraschung: Ich bin an diesem Tag nur als 37 gewertet. Ich gehe zu Edvin Kasimati, dem Racedirector und der mit mir zum Timekeeper.

Der bestätigt, dass die Zeiten der SS1 an diesem Tag von mir doppelt gezählt wurden und redet von einem „bug“ im Programm. Auch meine Trackerdaten werden überprüft und wir kommen zum selben Ergebnis und die Wertung wird mit 20. Juni im Internet richtiggestellt.

 

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Samstag 9. Juni - Epilog

Gemäß des falschen Resultats vom Freitag muss ich als 37. starten – aber kein Problem! Ich kann bei dem kurzen Epilog über 19km 6 Fahrer überholen, die mir bis auf einen Platz machen, und so an die 7beste Zeit an diesem Tag fahren.

Damit fixiere ich den Gesamtsieg in meiner Klasse over 600ccm / Einzylinder und den 6ten Gesamtrang, vor mir sind nur leichte Sportenduros – das sagt alles über den Schwierigkeitsgrad dieser Rally aus.

Zusammenfassung

Albanien ist jedenfalls sehr „albanisch“: Sowohl im positiven Sinne, als auch bei den nicht so tollen Dingen: Rallyfahren in sehr entlegenen Regionen – aber dort schwer verletzt zum Liegen kommen kann dramatische Folgen haben. Das Roadbook hat sich massiv gebessert - dass man ab und zu statt links nach rechts fahren sollte gehört zum Charakter dieser Rally.

Ergebnis, siehe: http://www.rallyalbania.org/ra_17/2017-live.html 

Was steht an?

Ich werde jetzt mal alle meine Unterstützer mobilisieren müssen, um meine 690 Rally und den Rest meiner Ausrüstung wieder in Schuss zu bringen: Auner - Kleidung, Helm, Bremsen, Lenker und eine Vielzahl von Kleinteilen, Haslacher - Fahrwerk, Remus - Schalldämpfer, Shell Advance - Öl, Kühler- und Bremsflüssigkeit, Eckl/KTM - pfaaaahhh, das wird viel. Ortema - hat mich alles perfekt geschützt und nichts kaputt - alles im Lot! Und dann geht es Ende August zur Serres nach Griechenland mit einer EXC 450. Yeah!

 

 

Bericht/Fotos: Kreidl und weitere tolle Bilder von Actionphotographers auf der Homepage und Facebook Seite der Rally Albania. http://www.rallyalbania.org