Spektakulärer Zieleinlauf am Cibin-Fluß in Sibiu. Sibiu, Rumänien, 16. Juli 2015 - Bei herrlichem Sonnenschein gingen die Teilnehmer der Red Bull Romaniacs 2015 in den zweiten Offroad-Renntag. Während die Fahrer anfangs noch eher vorsichtig auf dem noch vom Morgentau feuchten nassen Gras waren, gab es kurz darauf nur noch herzhaftes Gasgeben. Die Strecke führte heute durch das Lieblings-Offroadgebiet der lokalen Enduro-Cracks, und so waren die meisten Single Trails gut ausgefahren und perfekt markiert...

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Leider wurde der flotte Rhythmus zu Beginn des Tages Chris Birch (NZL, KTM) zum Verhängnis. Der Sieger der Red Bull Romaniacs 2010 ging bei relativ hohem Speed im 4ten Gang zu Boden, beschädigte aber glücklicherweise nur sein Motorrad. Da sich Birch doch etwas benommen fühlte, beschloss er das Rennen frühzeitig zu beenden. Auf dem Weg zum Servicepunkt half Chris dann sogar noch einigen Silber-Fahrern durch eine der selektiven Sektionen und erreichte den Servicepunkt schließlich zerschürft und enttäuscht aber in guter Verfassung.

Voll motiviert gingen auch die anderen Gold-Teilnehmer in die heutige Strecke, allerdings brachte der hohe Speed einigen Teilnehmern kein Glück. Graham Jarvis (UK, Husqvarna) und der gestern so souveräne Andreas Lettenbichler (DE, KTM) nahmen bei einer Gabelung die falsche Abzweigung und fuhren auf der Bronze/Iron-Strecke weiter. Beide Topfahrer orientierten sich an den Streckenmarkierungen anstatt nach ihrer GPS-Anzeige, und verpassten somit einen ganzen Abschnitt der Gold-Strecke. Während Jarvis den Fehler bemerkte und umkehrte, fuhr Letti weiter und verpasste wie einige andere Fahrer auch den ersten Kontrollpunkt.

Im Ziel meinte Lettenbichler: "Als ich mitbekommen hatte, dass ich einen Checkpoint ausgelassen habe, blieb mir nichts anderes mehr übrig als mein Rennen in meinem Rhythmus fortzusetzen. Heute Abend werden wir sehen, welche Strafzeit ich schlucken muss und was das für den Rest des Rennens bedeutet." Ein schlechter Tag für den Bayern, der heuer in absoluter Topform zu sein scheint. Als ob der Navigationsfehler nicht schon genug Pech für heute wäre, legte Letti im späterem Verlauf des Rennens bei einer Abfahrt auch noch einen Vorwärtssalto in den Wald. Sohn Manuel Lettenbichler (DE, KTM) bekam heute ebenfalls die volle Härte der Red Bull Romaniacs zu spüren und erreichte das Ziel ziemlich erschöpft und zerschunden. Trotzdem war "Letti Junior" mit seiner heutigen Leistung zufrieden - er wurde mit einer Stunde Verspätung auf Tagessieger Jonny Walker als 11ter gewertet.

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Jonny Walker (UK, KTM) konnte den gestrigen Tag und seinen enttäuschenden dritten Platz erfolgreich wegstecken und fuhr heute in einer eigenen, dominanten Liga. Walker machte sich voll motiviert auf die Aufholjagd auf den 6 Minuten vor ihm gestarteten Graham Jarvis und konnte in den schnellen Sektionen am Morgen etliche Zeit gut machen. Als Walker Jarvis schließlich einholte, kam es zum erwarteten spektakulären Schlagabtausch der beiden Konkurrenten.

Die beiden Ausnahmefahrer fuhren nun die meiste Zeit des Tages in Sichtweite zueinander, bewältigten selbst die härtesten Streckenabschnitte in beinahe identischen Zeiten und waren deutlich schneller als der Rest des Feldes. Walker versuchte sich von Jarvis zu lösen, was ihm aber erst im letzten Streckenteil gelang. Schließlich beendete Jonny seinen fantastischen Renntag mit sieben Minuten Vorsprung auf Jarvis und übernahm so mit knapp 4 Minuten Vorsprung die Gesamtführung der Red Bull Romaniacs 2015. Kein Wunder, dass der 24-jährige Brite heute bestens gelaunt zurück ins Paddock in Sibiu kam.

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Husqvarna-Werksfahrer Alfredo Gomez (ESP) hat bisher noch nicht seinen optimalen Red Bull Romaniacs Rhythmus gefunden und erlebte heute einen eher durchwachsenen Renntag. Nach einigen Stürzen verlor der Spanier in einer schwierigen Sektion beim Schieben des Motorrades sein GPS-Gerät, das gut versteckt im Schlamm lag. Bei der Suche verlor Gomez etliche Zeit, nur um wenig später bei der Reparatur seines Trinksystems abermals wertvolle Minuten zu verlieren. Gomez' Schwester Sandra legte heute erneut eine solide Leistung vor und beendete ihren Renntag mit einem beeindruckenden 7ten Platz in der Bronze-Wertung.

Für die Silber-Klasse der Red Bull Romaniacs verlief der heutige Renntag etwas gemächlicher als der gestrige sehr harte Auftakt der Rallye, der Großteil des Feldes erreichte das Ziel zu moderaten Zeiten und in guter Stimmung. Während die Bronze-Klasse auch heute noch von den für die Red Bull Romaniacs typischen Schindereien verschont blieb, bekamen die Fahrer der Iron-Klasse einen ersten ordentlichen Geschmack von Härte serviert.

Generell kann die Stimmung der Teilnehmer im heutigen Ziel als durchwegs "ekstatisch" bezeichnet werden. Vor hunderten Zusehern mussten die Fahrer bei der spektakulären Zieleinfahrt die letzte Herausforderung des heutigen Tages meistern: die Querung des Cibin-Flusses mittels Steilwandfahrt! Während die mächtige Holzkonstruktion auf viele Fahrer eher einschüchternd wirkte, war das Publikum schlichtweg begeistert über die actionreiche Einlage direkt im Stadtgebiet. Viele Fahrer erkannten aber schon kurz nach dem Einfahren in die Steilwand, dass die Sache nur halb so schlimm war - und ließen ihren Emotionen nach der Ziellinie freien Lauf. Viele Fahrer nutzen den Cibin-Fluss für eine kühle Erfrischung, manche nahmen das wohlverdiente Bad aber auch unfreiwillig... Nach hunderten Teilnehmern war das Flussufer mit Rillen übersät, die tief genug waren um ganze Motorräder samt ihren Fahrern zu verschlucken!

Am dritten Offroad-Renntag starten die Gold- und Silber-Klasse ab 6:30 Uhr ins Rennen, für die Bronze- und Iron-Teilnehmer beginnt der Arbeitstag ab 7:00 Uhr Früh an einer anderen Location. Während auf die Gold- und Silber-Fahrer vom Start Weg ordentliche Herausforderungen bis zum Servicepunkt warten, beginnt die wahre Schinderei für Bronze und Iron erst in der zweiten Rennhälfte. Alle Teilnehmer dürfen sich morgen über spektakuläre Aussichten über die hohen Berge der Karpaten freuen.

Red Bull Romaniacs Offroad-Renntag 3:

Iron-Klasse 89 Kilometer Streckenlänge / geschätzte Minimal-Fahrzeit 3:22 Stunden

Bronze-Klasse 113 Kilometer Streckenlänge / geschätzte Minimal-Fahrzeit 4:15 Stunden

Silber-Klasse 142 Kilometer Streckenlänge / geschätzte Minimal-Fahrzeit 5:19 Stunden

Gold-Klasse 161 Kilometer Streckenlänge / geschätzte Minimal-Fahrzeit 5:37 Stunden

Bericht: Vilker Jacob
Fotos: Niki Peer, https://www.facebook.com/nikipeerphotography

www.redbullromaniacs.com