Veronika Dallhammer und Lars Enöckl waren sehr erfolgreich bei der Roof of Africa 2014 dabei. Vroni hat zusammengefasst was sie bei diesem extremen Enduro alles erlebt hat: Von 3. bis 5. Dezember 2014 fand im Bergkönigreich Lestho das Hardendurorennen "Roof of Africa" statt. Als Mutter aller Hardenduros betitelt, hält dieses Rennen Herausforderungen der ganz besonderen Art für die Teilnehmer bereit.

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Sandige und felsige Tracks, Pässe, die normalerweise mit Eseln benutzt werden, sowie zahlreiche Flussdurchquerungen prägen die Rennstrecke. Unser österreichisches Hardenduro-Aushängeschild Lars Enöckl fährt in der Gold-Klasse (116 Starter - 26 Finisher) mit einer Fahrzeit von 21h54 auf Platz 9. Ich freue mich sehr über mein Finish in der Bronze-Klasse (102 Starter - 73 Finisher) und lande auf Platz 44 mit 20h57 in 3 Tagen.

Nach einem Kurzurlaub im Landesinneren von Lesotho beim Katse-Staudamm ging es am Dienstag, 2. Dezember, zurück in die Hauptstadt Maseru. Am Mittwoch fanden im Hotel "Lesotho Sun" die Anmeldeformalitäten statt: Anmeldung, GPS mit Tracks bespielen lassen, Transponder für die Zeitnahme von Racecontrol um 8€ kaufen, den Live-Tracker und ein Gratis-Roof-Shirt abholen. Es gab auch eine eigene Roof-of-Africa-Tasche mit allen wichtigen Informationen.

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Unser Quartier, die Molongoane Lodge, lag 20km außerhalb der Hauptstadt. Die Distanzen in Südafrika und Lesotho sind andere als bei uns. Am Donnerstag hieß es deshalb zeitig aufstehen, da man spätestens um 8 Uhr 30 am Sammelplatz für das "Round the Houses" Rennen sein musste. Dieser Teil der Roof zählt aus Sicherheitsgründen nicht für das Endergebnis. Die Strecke ist ein 3km langer Rundkurs durch Maseru. Es wird ab 9 Uhr zu jeder halben Stunde in großen Gruppen gestartet. 3 Runden sind zu fahren um den Einheimischen und den vielen Zuschauern die Fahrer und die Motorräder zu präsetieren. Obwohl die meisten Teilnehmer die Reifen für das spätere Time-Trial schonen, gab es doch einige, die die Asphaltstrecke im Rennmodus bewältigten und für spektakuläre Szenen sorgten. Zwischen den Läufen gab es Freestyle- und Trialshows.

Nach meinem "Round the Houses" Lauf um 11 Uhr 30 ging es sofort zum Pick-up meines Helfers. Es hieß Aufladen und die 30km zum Start des Time-Trial Bewerbes zurück zulegen. Bis spätestens 14 Uhr konnte man in die 50km lange Strecke starten. Diese war sehr schnell gehalten ohne besondere Schwierigkeiten. Wade Young gewann mit einer Zeit von 55min46. Lars landete mit 1h03 auf Platz 15 und schaffte sich eine gute Ausgangsposition für den nächsten Tag. Ich fuhr mit 1h54 auf Platz 70 in der Bronzeklasse. Die ersten Eindrücke der Streckenführung waren sehr interessant und ich bekam ein Gefühl, was mich in den nächsten 2 Tagen erwarten würde.

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Freitags läutete der Wecker um 4 Uhr 30. Um 6 Uhr startete der erste Profi in die 190km lange Gold-Strecke. Für mich ging es so um 7 Uhr auf die 120km lange Bronze Runde. Der Startpunkt hieß St. Patrick, lag ca. 30km außerhalb von Maseru in der Ortschaft Roma und war an allen 3 Tagen gleich.

Bereits die ersten 56km bis zum Servicepunkt beinhalteten einige kraftraubende Passagen. Meine Reisegeschwindigkeit sank durchschnittlich auf 11-12km/h. Mit meinem Zusatztank an der Freeride waren die Distanzen kein Problem. Die heißen Temperaturen, viele lose Steine in der Strecke sowie Tracks mit größeren Steinen zehrten an meinen Kräften. Gott sei Dank gab es jede Menge Flüsse und Bäche, an denen man sich abkühlen konnte bzw. musste. Der erste Fluss, den es zu durchqueren galt, war gleich mal Oberschenkel-tief. Die Strecke zog sich ins Unendliche.

Irgendwann erreichte ich den Self-Helping-Tankpunkt. Mein Freund und Helfer Paulo sowie einige Bekannte waren Vorort und spendeten Motivation. Zusätzlich zum Tanken gaben Schokoriegel und Banane bitternötige Energie. Nach dem Essen klangen meine Krämpfe in den Oberschenkeln vom "Mithaxln" in den losen Steinpassagen ab. Insgeheim hatte ich gehofft, "getime-barred" zu werden sprich die nötige Mindestzeit bis zu diesem Punkt nicht erreicht zu haben, doch - im Nachhinein gesehen - glücklicherweise durfte ich weiterfahren.
Die letzten 30km enthielten noch die sehr anstrengende Abfahrt des Bushmen-Pass, eine rutschige, schräge Bachquerung, bei der ich über eine Meterstufe stürzte, sowie die Auffahrt "Music Box".

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Ich fuhr lethargisch in sitzenderweise dem Ziel entgegen. Meine Konzentration war deutlich beeinträchtigt und selbst in der letzten Auffahrt kam mir der Gedanke, dass ich eventuell die letzten 2km nicht mehr schaffe. Doch nach 10h42 war das Ziel erreicht - von 7 Uhr morgens bis fast 18 Uhr. Der deutlich spürbare Temperaturwechsel im Lauf des Tages faszinierte mich - von der Kühle des Morgens über die Mittagshitze bis es am Abend wieder merklich abkühlte - und die ganze Zeit am Motorrad unterwegs.

Lars bewältigte die Goldspur in einer Zeit von 10h38.

Vollkommen fertig luden wir das Motorrad auf und fuhren ins Quartier. Ich erstellte die Liste für die Mechaniker des Eddy2Race-Teams für das Motorradservice und bereitete das USWE-Camelback für den nächsten Tag vor. In dem Bewusstsein einen zweiten solchen Tag nicht zu überstehen, versuchte ich möglichst bald zu schlafen. Nach einem unruhigen Schlaf mit Träumen über Steinfeld-Auffahrten hieß es um 4 Uhr 30 wieder aufstehen.

Der 3. und letzte Tag der Roof of Africa brach an. Um 7 Uhr startete ich in die 110km Runde. Die 20km bis zum ersten Tankpunkt sowie die folgenden 41 gingen wie im Flug vorbei. Nette Single-Trails und "Erdstraßen" wechselten sich mit kleineren technischen Spielereien ab. Nach dem 2. Servicestopp brachen die letzten 46km an. Es war klar, dass noch einige anstrengende Sachen warteten. Das Näherrücken des Ziels gaben zusätzliche Energie. Neben einigen anstrengenden Schrägfahrten war der Pass "Spiderman" das "Highlight" im Schlussteil. Bestens getimed zur Mittagshitze zog sich dieser Steintrack unendlich in die Länge, geschätzte 2h für 2km. Große und kleine Steine, rollend, lose und fest wechselten sich mit kleineren Felsstufen und Steinwegen ab. Alles war fahrbar, jedoch sehr kräftezehrend. Doch es ging vorüber.

Da mein Zusatztank am Freitag gebrochen war, wurde es gegen Ende es 3 Tages mit dem Benzin knapp. Bereits 10km vor Ende leuchtete das Tanklicht permanent. Ich erreichte die letzte Auffahrt vor dem Ziel - 2km noch! Nach den schwierigeren Steinpassagen fing die Freeride zu stottern an. Leider erwischt die Benzinpumpe bei Auffahrten die letzten Reste des Sprits nicht. 2 "bezahlte" Helfer (jede Menge Einheimische stehen an schwierigen Stellen und helfen gegen Bezahlung) halfen mir das Motorrad ins Flache zu Schieben, wo ich sie wieder starten konnte. Ein weiterer Kilometer zog sich leicht bergauf-bergab den Hang entlang bis zur letzten Auffahrt. Nach einer 180 Grad Kurve und einem kurzen Flachstück schaffte ich es bis 50m vors Ziel.

Tja - Ende im Gelände. Normalerweise ist der letzte Hand No-Help-Zone außer der offizielle "Clark Of the Course" erlaubt externe Hilfe. Das begeisterte und motivierende Publikum feuerte mich auf den letzten Metern an. Leider hatte ich keine Chance die Freeride in dem losen Material alleine mit dem Marshall zu schieben. Einer vom Publikum rannte zum COC und bat ihn, Fremdhilfe zu erlauben. Dieser stimmte zu und so halfen mir einige Zuschauer das Motorrad ins Ziel zu bringen.

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Ich war überglücklich bei der Roof of Africa das Finish zu erreichen.

Das Gefühl der Erleichterung in diesem Moment ist unbeschreiblich. Nach all dem Aufwand, der investierten Energie und dem Bewältigen des Tracks am Freitag war es wunderschön die Finisher-Medaille zu erhalten. Das Endergebnis von Platz 44 ist ein zusätzlicher erfreulicher Bonus.
Lars Enöckl kam kurz nach mir von seiner 171km langen Goldstrecke ins Ziel und beendete das Rennen auf dem grandiosen 9. Platz. Herzliche Gratulation zu dieser Top-Leistung!

Die Siegerehrung fand am Abend statt um 20 Uhr um 22 Uhr 30 im Hotel "Maseru Sun" statt. Zum ersten Mal war ich zu müde um ein Hardendurorennen gebührend zu feiern. Ich freute mich als ich um 1 Uhr im Bett lag.
Sonntags ging es zurück nach Johannesburg. Nach etwas Sightseeing und der Rückgabe des Motorrads flog ich am Mittwoch zurück nach Österreich.

Ein großes Dankeschön schulde ich KTM Südafrika für die Leihgabe der KTM Freeride 350, ohne die ich es niemals bis ins Ziel geschafft hätte, an Paulo Ponte für die Planung, Hilfe und Betreuung während des Rennens, an Eddy2Race von Kapstadt für die Mechanikerbetreuung sowie an Alle, die mir mit den Vorbereitungen hier in Österreich im Vorfeld geholfen und mich mit Infos versorgt haben. Wie immer Danke an meine Sponsoren, die mich das ganze Jahr über unterstützen und denen ich diesen tollen Saisonabschluss widme:

KTM Motothek
Shell Österreich
Cofain 699
motorradreporter.com
Offroad Club Ernsthofen
TerraXDream

Ich wünsche besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Aufwiederlesen 2015!

Quellen: Vroni Dallhammer