Prof. Dr. Helmut Clemens von der Montanuniversität Leoben erhält den Honda Preis 2014. Die Honda Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die von Soichiro Honda, dem Gründer von Honda Motor, und seinem jüngeren Bruder Benjiro Honda gegründet wurde, vergibt den Honda Preis1 2014 an Prof. Dr. Helmut Clemens für seinen hervorragenden Beitrag und seine außergewöhnliche Leistung in der Entwicklung von intermetallischen2 Titanaluminiden, den sogenannten -TiAl-Basislegierungen, die eine innovative Klasse von Hochtemperatur-Leichtbauwerkstoffen darstellen...

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Die Legierungen und die mit ihnen verbundene Prozesstechnologie, die vom Team um Prof. Clemens und Partnerunternehmen – darunter MTU Aero Engines, Deutschlands führendem Triebwerkshersteller – entwickelt wurden, sind wichtige Bestandteile der nächsten Generation von fortschrittlichen emissions- und verbrauchsarmen Verbrennungsmotoren.

Prof. Dr. Helmut Clemens ist Leiter des Departments für Metallkunde und Werkstoffprüfung an der Montanuniversität Leoben. Zu den zentralen Forschungsfeldern der Universität gehören Rohstoffe, nachhaltige Produktion und Verarbeitung sowie Hochleistungswerkstoffe. Der gebürtige Klagenfurter ist der 35. Preisträger des Honda-Preises. Die Preisverleihung findet am 17. November 2014 im Imperial Hotel in Tokio statt. Neben Medaille und Urkunde erhält der Preisträger ein Preisgeld in Höhe von 10.000.000 JPY.

Prof. Clemens ist einer der international anerkanntesten Experten auf dem Gebiet der Titanaluminide. Er widmet sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der Erforschung intermetallischer -TiAl-Legierungen und seine Arbeit hat signifikant dazu beigetragen, dass diese Legierungen nun als essenzielle Konstruktionswerkstoffe zur Herstellung von Luftstrahltriebwerken und Fahrzeugmotoren der nächsten Generation dienen.

TiAl-Legierungen wiegen im Vergleich zu herkömmlichen nickelhaltigen Superlegierungen nur die Hälfte und ermöglichen so verbesserte Designkonzepte für Verbrennungsmotoren. Ein weiterer Vorteil ist ein erhebliches Potenzial zur Kraftstoffeinsparung und Verringerung der CO2-Emissionen. Titanaluminide haben auch Nachteile: Bei Raumtemperatur weisen sie eine niedrige Duktilität (Verformbarkeit) auf und lassen sich auch bei hohen Temperaturen kaum formgebend verarbeiten. Im Rahmen von Grundlagenforschungsprogrammen hat das Team um Prof. Clemens und seine Partner eine neue Familie von TiAl-Legierungen entwickelt, die sogenannten TNM-Legierungen. Die Eigenschaften des Materials wurden so adaptiert, dass die neue Legierung im erhitzten Zustand nun „weich" ist und „ausgehärtet" als Bauteil eingesetzt werden kann. Bei dieser Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurde zum ersten Mal eine computergestützte Methode zur Festlegung der Zusammensetzung von TiAl-Legierungen angewandt.

Der Honda Preis wurde 1980 ins Leben gerufen und wird jährlich an eine Gruppe oder eine Einzelperson verliehen, um deren Beitrag im Bereich Ökotechnologie auszuzeichnen. Ausgezeichnet werden Leistungen, die auf nachhaltige Weise zu einer positiven Veränderung der Gesellschaft beitragen. Neue Konstruktionswerkstoffe müssen „leichter und stärker" werden, um den äußerst anspruchsvollen Bedingungen der nächsten Generation von Fahrzeugmotoren und Flugzeugtriebwerken standzuhalten, die eine verbesserte Effizienz aufweisen und damit den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen deutlich reduzieren sollen. Intermetallische Titanaluminide gelten als essenzielle Konstruktionswerkstoffe, um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen. Die von Prof. Clemens entwickelten Legierungen und die zugehörige Prozesstechnologie fördern die Ziele der Ökotechnologie und wurden daher mit dem Honda Preis ausgezeichnet.

*1 Honda Preis: Japans erste internationale Auszeichnung für Wissenschaft und Technik, erstmalige Verleihung im Jahr 1980.
*2 Intermetallische: Materialien, bestehend aus zwei oder mehr Arten von Metallatomen, die als homogene zusammengesetzte Phasen existieren und im Gegensatz zu ihren Ausgangsmaterialien eine geordnete Kristallstruktur aufweisen.

Prof. Dr. Helmut Clemens
Leiter des Departments Metallkunde und Werkstoffprüfung an der Montanuniversität Leoben, Österreich

Geburtsdatum
26. Juli 1957 in Klagenfurt, Österreich

Ausbildung
1997: Habilitation.
Thema: Intermetallische Werkstoffe, Montanuniversität Leoben
1987: (Dr. mont.), Montanuniversität Leoben, Werkstofftechnik
1983: Dipl. -Ing, Montanuniversität Leoben, Werkstofftechnik

Beruflicher Werdegang
Montanuniversität Leoben, Professor, Leiter des Departments Metallkunde und Werkstoffprüfung, 7/2003 bis heute.
Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Leiter des Instituts für Werkstoffforschung. Verantwortlich für die Bereiche Metallphysik, neue Werkstoffe und Neutronen-Aktivitäten im Rahmen einer gemeinsamen Ernennung zum Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 7/2000-6/2003.
Universität Stuttgart, Professor am Institut für Metallkunde, 3/1997-6/2000.
Plansee AG, Leiter der F&E-Gruppe „Intermetallische Werkstoffe", 2/1990-02/1997.
Montanuniversität Leoben, Universitätsassistent am Institut für Physik, 1987-90.

Kurzbiographie
Prof. Dr. Helmut Clemens zählt zu den international anerkanntesten Experten auf dem Gebiet der intermetallischen Werkstoffe, mit besonderem Augenmerk auf leichte Titanaluminide, die sogenannten -TiAl-Basislegierungen. Prof. Helmut Clemens ist Leiter des Departments für Metallkunde und Werkstoffprüfung an der Montanuniversität Leoben in Österreich. Prof. Clemens wurde für seine wissenschaftlichen Beiträge unter anderem 1983 mit dem Rektor-Platzer-Ring der Montanuniversität Leoben, 1995 mit dem Georg-Sachs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde, 2006 mit dem Universitätsforschungspreis der Industrie und 2010 mit dem Houska Preis der österreichischen B&C Privatstiftung ausgezeichnet.

Veröffentlichungen
Prof. Clemens ist Autor und Koautor von fast 500 Fachartikeln. Des Weiteren hat er 14 Bücher bzw. Sonderausgaben von Fachzeitschriften herausgegeben. Ein Übersichtsartikel, der den aktuellen Stand der Titanaluminid-Forschung beschreibt, wurde kürzlich veröffentlicht: Helmut Clemens and Svea Mayer, Advanced Engineering Materials 15 (2013) 191-215.

www.honda.at

Pressemitteilung Honda, Foto: Honda