Ich fahre nun seit etwa fünfzehn Jahren Enduro und war meist auf Exoten im Endurosektor unterwegs. So auch seit heuer auf einer Sherco 300 SEF-R Factory.
Die in Nimes/Frankreich produzierte Blaue, wirkt schon optisch kompakt, leicht und spielerisch. Beim Fahren hält sie, was die Optik verspricht. Hervorragendes Handling, wendig und sehr spritzig.

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Da Shercos vor allem vom Trialsport bekannt sind, wundert es nicht, dass vor allem das schwierige Terrain ihr Gebiet ist. Sie fährt sich, als wäre sie um 10 Kilo leichter als andere Bikes die ich kenne. Im Durchschnitt ist sie tatsächlich um ca. 5-8 kg leichter als 4-Takter der Konkurrenz. Rennfertig, vollgetankt, mit vorne und hinten einem dicken Schlauch in den Reifen, bringt sie bei mir zuhause nur knapp über 114kg auf die Waage. Allerdings handelt es sich hier um das Factory Modell mit serienmäßiger Akrapovic Komplettanlage und vereinfachtem Kabelbaum. Auch Motorschutzplatte aus robustem Kunststoff und Rallyguards sind original im Paket inbegriffen.

Man sitzt auf dieser Sherco relativ hoch und die Sitzbank ist eher auf der weicheren Seite. Auffallend dabei ist die sehr schlanke Tank-Sitzbank-Kombination, die sich beim Fahren als besonders angenehm herausstellt.
Sehr positiv fällt die gesamte Verarbeitung des Motorrades auf. Es wurde an allen Stellen sauber gearbeitet. Der Kabelbaum inklusive sämtlicher Stecker ist professionell verlegt und auch die Plastikteile sind von piekfeiner Qualität und passen wie angegossen.
Sherco hat sich als eine der ersten Firmen über die Einspritzung gewagt. Aufgrund dieser nun jahrelangen Erfahrung funktioniert diese auch wirklich gut. Die zu Beginn verwendete Einspritzung von Magneti Marelli wurde bei den neuen Modellen durch eine Synerjet ersetzt.

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Sherco liefert den eigenen Motor mit österreichischem Know how. Dafür, dass er nur 300 ccm mitbringt, macht er einen relativ starken Eindruck, vor allem im mittleren Bereich. Die gesamte Kraftentwicklung kommt kontinuierlich und vor allem gleichmäßig aus dem Keller und lässt sich bis in den obersten Bereich super abrufen. Diese Kraftentwicklung wie auch die Geometrie des neuen Rahmens, sorgen für eine ausgesprochen gute Traktion in allen Lebenslagen.
Einzig bei steilen Auffahrten, muss Hubraumbedingt ans zeitgerechte zurückschalten gedacht werden. Es ist grundsätzlich Kraft genug für jeden Steilhang vorhanden, wenn der richtige Schaltzeitpunkt beachtet wird.
Die verwendeten Federelemente von White Power sind als das Gelbe vom Ei bekannt. Bei den aktuellen Modellen kann man die originale Abstimmung meines Erachtens als recht straff bezeichnen. Für Fahrer die super zügig unterwegs sind, mag dies aber vielleicht auf den Punkt genau passen.

Auch bei den Komponenten wird auf Bewährtes zurückgegriffen. Kupplung und Bremse sind von Brembo. Die Bremse mit ihrer 260 mm Scheibe sorgt für hervorragende Verzögerung. Zeiten, in denen sich bei Hitzeentwicklung der Druckpunkt veränderte, gehören schon seit langem der Geschichte an.
Auch bei der Kupplung gibt es nichts zu meckern. Sie lässt sich in jeder Situation gut dosieren und ist sehr leichtgängig.

Genauer kennengelernt habe ich die Marke Sherco über Robert Winkler aus Niklasdorf in der Steiermark, schraubender Chef der Firma www.bikepoint-racing.com

In der Zwischenzeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass Robert Winkler nicht nur bei den Rennen vor Ort ist, sondern auch perfekte technische Unterstützung liefert.
Alles in Allem ein sehr kompaktes, leicht zu fahrendes Motorrad, besonders wenn es um schwieriges Gelände geht. Baut am Hinterrad immer guten Grip auf. Das spielerische Handling durch das geringe Gewicht sticht besonders hervor. Spaßfaktor 100!

Danke an Robert Winkler www.bikepoint-racing.com und den Generalimporteur Bernhard Weichenberger, www.sherco.at für die Unterstützung!

Bericht: Enduro-Austria, Hannes Brandtner, Fotos Brandtner und www.sherco.com